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Trabertrainer Thorsten Tietz: „Es wird immer schlimmer“

Wechselt Erfolgstrainer und Fahrer demnächst ganz nach Schweden?


Zieht sich nach Heinz Wewering, dem vielfachen deutschen Champion der Trabrennfahrer und als Fahrer Gewinner von mehr als 16.500 Rennen, nun auch Thorsten Tietz (Foto), in den letzten Jahren einer der erfolgreichsten Akteure sowohl als Trainer wie auch als Fahrer, nun vom deutschen Trainergeschäft zurück?

In einem Interview mit einem schwedischen Fachblatt schloss Tietz diese Möglichkeit keineswegs aus. „In Deutschland wird es immer schlimmer. Ich muss etwas tun“, wird Tietz zitiert. Tietz schließt sogar einen dauerhaften Wechsel nach Schweden nicht aus.

Schon in den letzten Monaten hatte Tietz, der aus dem Ruhrgebiet stammt und lange Zeit in Recklinghausen tätig war, einen nicht unwesentlichen Teil seiner Aktivitäten von Schöneiche (bei Berlin) nach Schweden verlagert, nicht zuletzt dewegen, weil dort die Trainingsmöglichkeiten sehr gut sind und auch die Verdienstmöglichkeiten erheblich besser sind als in Deutschland.

Aktuelles Beispiel: In der einstigen Traber-Hochburg Gelsenkirchen, wo früher jährlich oft mehr als 90 Renntage veranstaltet wurden, findet im November kein einziger Renntag statt. Die Kosten für Besitzer, Trainer, Hufschmiede, Tierärzte und Personal laufen aber weiter. Die Folge: Es gibt immer weniger Traberbesitzer und Züchter. Oft müssen die Starterangaben verlängert werden, um die Starterfelder noch mühsam aufzufüllen. Bisweilen werden, weil das nicht immer klappt, sogar ganze Renntage abgesagt.

Der deutsche Trabrennsport ist inzwischen in einem nicht unwesentlichem Maße vom halbstaatlichen französischen Wettanbieter PMU abhängig. Der sorgt dafür, dass Rennen aus Deutschland per Rennsport-TV nach Frankreich übertragen werden. Im Nachbarland liegen die Wettumsätze viel höher als in Deutschland. Deswegen können die Franzosen großzügig anteilige Wettumsätze als Dank für die Übertragungsrechte nach Deuschland überweisen, damit unter anderem einen Teil der hiesiegen Rennpreise bezahlen.

Wie weit sich der deutsche Pferderennsport, vor allem der Trabrennsport, inzwischen auch von in Deutschland längst etablierten Wettanbietern entfernt hat, wurde erst in den letzten Tagen wieder deutlich. Hiesige Anbieter von Wetten bieten Bonus-Zahlungen von bis zu 150 Euro, wenn bei ihnen zum Beispiel auf Fußballspiele gewettet wird. Das kürzlich verbreitete Bonus-Angebot für Pferdewetten hierzulande beträgt gerade einmal fünf Euro.

Zeitgleich mit der Bekanngabe, dass er seine Trainieranstalt in Zossen vor den Toren von Berlin am 15. November aufgibt (MSPW berichtete), erklärte Heinz Wewering: „Man muss sich doch nur mal anschauen, was im deutschen Trabrennsport los ist. Das sagt doch schon alles.“

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