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RW Essen: Sturm an der Hafenstraße

Ausführliche MSPW-Analyse zum Saisonstart der Essener im Kicker-Sportmagazin (12. September).

Lediglich sieben Punkte aus den ersten sechs Saisonspielen und eine trotz des Sieges äußerst dürftige Leistung im Niederrheinpokal-Derby beim benachbarten Oberligisten ETB Schwarz-Weiß (1:0) haben ausgereicht, um im Umfeld des Traditionsvereins Rot-Weiss Essen eine „Weltuntergangsstimmung“ zu erzeugen. Schließlich ist RWE trotz der drei Siege aus den vergangenen vier Pflichtspielen von den eigenen Ansprüchen („Top drei“) als Tabellenelfter ein ganzes Stück entfernt.

Die Folge: Die Sportliche Leitung mit Trainer Waldemar Wrobel (43) und Manager Damian Jamro (40) bekommt nach drei Jahren der stetigen Aufwärtsentwicklung (Aufstieg in die Regionalliga, dort Plätze acht und vier) erstmals stärkeren Gegenwind zu spüren. Der kicker beleuchtet vor dem Traditionsduell am Freitag (19.30 Uhr) gegen den KFC Uerdingen 05 die Lage an der Hafenstraße und nennt die wichtigsten Brennpunkte.

Brennpunkt Torwartsuche: Durch den langwierigen Ausfall von Torhüter Daniel Schwabke (24/Fingerbruch, mindestens acht Wochen Pause) sind die RWE-Verantwortlichen zum Handeln gezwungen, weil als Ersatz nur noch Philipp Kunz (26) zur Verfügung steht. Wunschkandidaten wie Philipp Heerwagen (30/wechselte inzwischen zum FC St. Pauli) und Robert Wulnikowski (36/zuletzt Kickers Offenbach), die sofort weitergeholfen hätten, sagten ab. Der noch vereinslose Wulnikowski übrigens deshalb, weil er bei seinem RWE-Engagement in der Zweitliga-Saison 2004/2005 nach einem missglückten Start (1:5 gegen den FC Erzgebirge Aue) von RWE-Anhängern niedergemacht worden war. Später wurde er in Offenbach zum Elfmeter-Helden und (zwischenzeitlichen) Rekordspieler der 3. Liga. Aktuell stellt sich Dominik Poremba (26/zuletzt FC Viktoria Köln) in Essen im Probetraining vor, um sich für einen Vertrag zu empfehlen.

Brennpunkt Führungsspieler: Ausgerechnet die „Leitwölfe“ der Mannschaft wackeln. Kapitän Markus Heppke (27) ist im Mittelfeld derzeit nicht erste Wahl und kann sich mit der ungeliebten Innenverteidiger-Position nicht anfreunden, obwohl er in dieser Rolle einst sogar Junioren-Nationalspieler wurde. Sein Stellvertreter Vincent Wagner (27) wird immer wieder durch muskuläre Verletzungen zurückgeworfen, musste auch in den vergangenen Tagen pausieren. Sein Einsatz gegen Uerdingen ist fraglich. Von den neuverpflichteten Führungskräften läuft Mittelfeldspieler Benjamin Wingerter (30) seiner in Lotte gezeigten Form noch hinterher. Nur Torjäger Christian Knappmann (32) konnte die Erwartungen mit drei Liga-Treffern und dem Sieg-Tor im Pokal gegen den ETB erfüllen.

Brennpunkt Verletzungspech: Fast schon traditionell werden die Essener auch in dieser Saison massiv gebeutelt. Den aus Wiedenbrück geholten Tim Hermes (22) erwischte es gleich im ersten Training (Syndesmosebandriss), erst vor wenigen Tagen ist der  Linksverteidiger wieder ins Training eingestiegen. Offensiv-Hoffnungsträger Cebio Soukou (20) verabschiedete sich mit einem „Totalschaden“ im Knie (einschließlich Kreuzbandriss) sogar bis zum nächsten Jahr. Maik Rodenberg (24), in der Abwehr eigentlich eine feste Größe, ist nach einem Syndesmosebandriss noch nicht fit, Linksverteidiger Roberto Guirino (21) fällt mit einem Bänderriss aus. Dazu kommen Schwabke und Wagner.

Zum ernüchternden Saisonstart trugen außerdem noch mangelhafte Nervenstärke (bereits zwei Strafstöße verschossen) und der frühe Platzverweis von Alexander Langlitz wegen eines angeblichen Handspiels und die folgende Elfmeter-Entscheidung beim 0:2 in Oberhausen bei. Trainer Wrobel, dessen Vertrag erst kürzlich bis 2015 verlängert wurde, hat aber auch noch weitere Defizite erkannt. „Wir müssen im Umschaltspiel und in der Offensive ein höheres Tempo vorlegen“, fordert er mit Blick auf das Uerdingen-Spiel.

Vorsitzender Dr. Michael Welling (42) ist überzeugt, dass schon bald die Wende gelingen wird. „Wir wissen, dass unsere Mannschaft bisher nicht einmal ansatzweise ihr maximales Leistungsniveau erreicht hat. Die Punktverluste zu Beginn der Saison haben jedoch am Selbstvertrauen geknabbert. Für uns alle wäre es deshalb wichtig, möglichst schnell Punkte einzufahren und damit an Stabilität zu gewinnen“, so Welling.

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