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Aachen: Prof. Rolf-Dieter Mönning nimmt Stellung

Offizielle Erklärung des Insolvenzverwalters zur aktuellen Lage

Zur aktuellen Situation beim West-Regionalligisten Alemannia Aachen und zum Stand des Insolvenzverfahrens hat sich Insolvenzverwalter Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning jetzt in einer offiziellen Erklärung auf der Internetseite des Traditionsvereins geäußert und sich dabei direkt an die Alemannia-Fans gewandt. Wir veröffentlichen die Stellungnahme nachfolgend im Wortlaut:

„Liebe Fans der Alemannia,

leider sind derzeit eine Menge Unwahrheiten und Teilwahrheiten im Umlauf über die derzeitige Situation der Alemannia. Anstatt die einmalige Chance zu nutzen, mit einer sanierten und entschuldeten Alemannia Aachen neu starten und hoffentlich bald wieder in höheren Ligen mit einem tollen Stadion spielen zu können, gibt es im Umfeld der Alemannia regelmäßig gezielt gestreute Gerüchte und Unwahrheiten.

Es herrscht an diversen Stellen weiterhin Gesprächsbedarf. Das ist verständlich, denn ein Insolvenzverfahren ist komplex und für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar. Deshalb gibt es neben den üblichen Gremien auch eine Runde mit Beteiligten der Stadt Aachen, des Vereins, aus der Wirtschaft, des Vermarkters, der Sanierungs-Geschäftsführung und Insolvenzverwaltung, die im  regelmäßigen Austausch gemeinsam die Sache Alemannia vorantreiben möchten. Das aber kann nur gelingen, wenn diese Teilnehmer auch nach außen den intern beschlossenen Weg beibehalten. Dass einige Teilnehmer nachträglich von Ihren Aussagen abrücken, ist sehr bedauerlich.

Die einmalige Chance eines Neubeginns muss genutzt werden. Einen greifbaren Erfolg zu zerreden, wäre töricht. Alles deutet darauf hin, dass die notwendigen Mehrheiten für den Insolvenzplan mobilisiert werden können. Dann kann die Aktion Wiederaufstieg gestartet werden.

Es gibt keine Deckungslücke. Unter Insolvenzbedingungen ist der Spielbetrieb bis zum Ende der Saison durchfinanziert. Und zwar auch mit Hilfe eines „ Massekredits“ den die Insolvenzmasse dem Spielbetrieb mit Zustimmung der Gläubigerversammlung zur Verfügung stellt, der aber zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen wird.  Es ist meine gesetzliche Aufgabe, vor Aufhebung des Verfahrens alle fälligen Verbindlichkeiten zu regulieren. Mit Annahme und Bestätigung des Insolvenzplans sind die nicht durch die Quoten gedeckten Forderungen der Gläubiger erlassen. Wir werden der entschuldeten Alemannia Aachen GmbH einen Barbestand von ca. 225.000 Euro übergeben. Zu organisieren und zu finanzieren bleibt der Spielbetrieb der Rückrunde.

Aufgabe des reorganisierten Unternehmens ist es also, eine Finanz- und Ertragsplanung für die Zeit nach Beendigung des Verfahrens bis 30.6.14 und darüber hinaus für die kommende Saison zu erstellen. Dies ist weder Sache des Insolvenzverwalters noch des Gläubigerausschusses. Natürlich werde ich als Insolvenzverwalter jede denkbare Unterstützung leisten, sofern dies gewünscht ist.

Die Herren des ehemaligen Wirtschaftsbeirats haben die Auffassung vertreten, dass nur mit der raschen Beendigung des Insolvenzverfahrens die Voraussetzungen für  zusätzliche Einnahmen geschaffen werden. Gibt es aber die angenommenen Mehreinnahmen nicht und auch keine Fremdmittel (Kredite), dann muss die neue Unternehmensführung wie jedes Unternehmen Kostenpositionen auf den Prüfstand stellen. Darauf hat der amtierende Geschäftsführers mit Schreiben vom 5. Januar 2013 nochmal ausdrücklich hingewiesen. Nichts anderes hätte ich getan, wenn ich als Insolvenzverwalter bis Saisonende zuständig geblieben wäre, um am Ende ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen.

Wir haben unter Insolvenzbedingen so geplant, dass die Option für einen baldigen Wiederaufstieg erhalten bleibt. Allein das Nachwuchsleistungszentrum kostet 500.000 Euro pro Saison. Die Infrastruktur des Stadions, die EDV, das Zugangssystem wurden erhalten, um nicht im Falle des Wiederaufstiegs in den kommenden Jahren teure Neuanschaffungen tätigen zu müssen. Im Bereich der Sicherheit hat die Polizei die Beibehaltung des Sicherheitskonzepts verlangt, was mehr als aufwendig ist und auch dazu geführt hat, den kostspieligen Bustransfer beizubehalten.

Der Vermarkter Infront hat sein Engagement auch davon abhängig gemacht, dass der Logen- und Businessbereich erhalten bleibt, der sicherlich nicht regionalligatypisch ist. Wenn sich das reorganisierte Unternehmen diese Dinge – anders als der die Beschlüsse der Gläubiger exekutierende Insolvenzverwalter – nicht leisten kann, muss man Abstriche machen.

Die derzeitige Struktur ist mit kleinem Gewinn zu betreiben, wenn Einnahmen in Höhe von 4 Millionen Euro erzielt werden. Ein Sponsorenvolumen von 2 Millionen Euro wurde mir vor der Saison von „Experten“ als unproblematisch dargestellt. Wir haben sehr vorsichtig jedoch nur mit der durch Infront garantierten Einnahme von 1.4 Millionen Euro geplant. Daraus resultiert der immer wieder genannte „Fehlbetrag“ von 600.000 Euro, der aber kompensiert werden sollte, wenn das Verfahren schnell beendet wird. Zum Vergleich: RW Oberhausen verzeichnet Sponsorenumsätze in Höhe von 1.9 Millionen Euro.

Dass Infront die Erwartung hegt, dass die vor dem Einstieg bei Alemannia für den Fall der schnellen Beendigung des Insolvenzverfahrens von maßgeblichen Personen zugesicherte personelle und finanzielle Unterstützung tatsächlich jetzt auch geleistet wird, ist sicher nachvollziehbar.

Im Kostenbereich liegen wir unter Plan, verzeichnen also Einsparungen, im Einnahmenbereich fehlen uns derzeit noch gut 200.000 Euro bis zum Planziel, was auf Mindereinnahmen im Bereich der Freundschaftsspiele (Schalke) zurückzuführen ist, aber durch noch geplante Spiele mit attraktiven Gegnern ausgeglichen werden soll.

Es geht nun darum, die Zeit nach der Insolvenz zu gestalten. Sanierungs-Geschäftsführer Michael Mönig und ich unterstützen dabei gerne, können nach Beendigung des Insolvenzverfahrens aber nicht mehr in der Verantwortung stehen. Die Verantwortung für die Alemannia müssen nun wieder andere Personen übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Professor Dr. Rolf-Dieter Mönning
Insolvenzverwalter Alemannia Aachen GmbH“

 

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