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Geräusch-Urteil beim FC Kray wirft Fragen auf

ETB-Vorsitzender Georg von Wick nimmt ausführlich Stellung.

Georg von Wick, Vorstandsvorsitzender des Fußball-Oberligisten ETB Schwarz-Weiß Essen, kommentiert die Entscheidung eines Verwaltungsgerichts, beim benachbarten Ligakonkurrenten FC Kray keinen lauten Torjubel mehr zulassen zu wollen, und dürfte dabei vielen Fußballfreunden aus dem Herzen sprechen. Wir veröffentlichen seine Stellungnahme im Wortlaut:

„Ein Gelsenkirchener Gericht hat nun entschieden, dass sich die Anhänger des FC Kray in ihrem Stadion an der Buderusstraße nur noch leise freuen dürfen, wenn Ihrer Elf ein Tor gelingt. Lärmempfindliche Anwohner haben sich durchgesetzt. Schadenfreude wäre hier völlig fehl am Platz, denn solche Urteile stehen am Anfang von gefährlichen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. Wie sollen gerade Amateurvereine ihre Fans und Mitglieder bei der Stange halten, wenn Jubel nur noch in künstlich gedämpfter Atmosphäre erlaubt ist? Das, was am Ende dieser Entwicklung steht, kann sich jeder selbst ausmalen.

Uns erinnert dies ein wenig an jenen Fall, als lärmempfindliche Anwohner in ländlicher Gegend dem Hahn per Gesetzesbeschluss das Krähen verbieten wollten. Man mag so etwas lächerlich finden und darüber schmunzeln, doch solche Tendenzen sind nicht lustig, sie sind gefährlich. Gerade die Amateurvereine kämpfen um jedes Mitglied und um jeden Zuschauer. Wenn sich dieser dann am Wochenende nicht mehr über den sportlichen Erfolg seines Vereins freuen darf, dann wandert er ab. Ein weiteres Ausbluten der Amateurvereine ist vorprogrammiert.

Dabei wird die gesellschaftliche Funktion, die die Amateurvereine übernehmen, völlig übersehen. Diese reicht von der Motivation, Sport zu treiben, bis hin zur gesellschaftlichen Integration. Allein in der Nachwuchsabteilung des ETB sind über 250 Jugendliche aus 27 Herkunftsländern aktiv. Wenn die Freude am sportlichen Erfolg nicht mehr ausgelebt werden darf, dann steht zu befürchten, dass sich die Gerichte auf anderer Ebene mit den Folgen ihrer eigenen Fehlurteile beschäftigen können.

Das vielmehr notwendige Augenmaß scheint dagegen, leider völlig verloren gegangen zu sein: Es sind ja auch in der Regel nicht DIE Anwohner, die sich am Sportbetrieb stören, es ist DER Anwohner oder einige WENIGE, die ihren Willen dann um jeden Preis durchdrücken wollen. Dabei geht es doch oft gar nicht um die Frage, ob viel oder wenig Lärm gemacht wird, sondern dem klagenden Anwohner geht es allein um das Prinzip. Er fühlt sich gestört.

Wenn dann Verwaltungsgerichte diesen „Anrainern“ auch noch Recht geben, dann reißen sie den Sport aus der gesellschaftlichen Mitte. Und das hat gefährliche Konsequenzen: Zuschauer werden abwandern. Schon jetzt ist es schwer genug, Ehrenamtler zu finden, die sich in Amateurvereinen engagieren. Sponsoren wenden sich anderen Feldern zu. Die Folge: Die Aktiven leiden massiv unter solchen „Querulanten“. So mussten sich auch unsere Nachwuchsspieler auf unserem „Ausweichplatz“ am Krausen Bäumchen beim Torjubel von Anwohnern beschimpfen lassen. Selbst Spiele unserer ersten Mannschaft am Uhlenkrug sind nicht frei von diesen merkwürdig anmutenden Begleiterscheinungen, dass noch während des Spiels Anrufe eingehen, den Torjubel doch bitte zu unterlassen. Die Folge ist, dass diese Mitbürger dann montags die vermeintlich Verantwortlichen mit ihrem Zorn ungehemmt konfrontieren. Und diese Art der Belästigung ist dann oft viel massiver als ein Torjubel, der letztlich auch nur ein Ausdruck von Lebensfreude ist.

Wir laden sehr gern jeden Kritiker, jeden sich gestört fühlenden Anrainer und auch jeden Richter, der sich beruflich damit auseinandersetzen muss, herzlich ein, die Realitäten im Amateursport bei uns am Uhlenkrug einmal „live“ zu erleben. Da gibt es nur eine Erkenntnis: Der Torjubel ist der Pulsschlag, der den Verein am Leben hält.

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