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Schalke: Das Sorgenkind der Knappenschmiede

Exlusiv-Interview mit Nachwuchschef Oliver Ruhnert im kicker-Sportmagazin.

Die „Knappenschmiede“ hat sich über Jahre zu einem Aushängeschild des FC Schalke 04 entwickelt. Nachdem der Bundesligist in den letzten beiden Spielzeiten auch in der Regionalliga West jeweils die beste U 23-Mannschaft stellte, bewahrheiten sich nun die Befürchtungen einer komplizierten Saison. Aktuell belegt Schalke mit nur einem Sieg aus zwölf Partien einen Abstiegsplatz. Oliver Ruhnert (42), Nachwuchsdirektor und Chef der „Knappenschmiede“, bezieht im Interview mit MSPW für den kicker Stellung.

Die U 23 des FC Schalke 04 kommt in dieser Saison überhaupt nicht ins Rollen. Was ist in der hochgelobten „Knappenschmiede“ los, Herr Ruhnert?

Oliver Ruhnert: Drei unserer Teams aus dem Leistungsbereich stehen in ihren Ligen gut da. Das sollte man nicht vergessen. Aber wir haben mit der U 23 aktuell auch ein Sorgenkind. Vor dem Hintergrund, dass der 1. FC Köln mit einem vergleichbaren Konzept und einer ähnlich jungen Mannschaft in der Saison 2012/2013 sogar sportlich abgestiegen war, wussten wir: Es geht für uns diesmal nicht um die Top-Ränge. Das können wir verkraften. Doch die aktuelle Platzierung stellt uns selbstverständlich nicht zufrieden.

Um die Reserve zu einer U 21 umzustrukturieren, war der Kader vor Saisonbeginn bewusst verjüngt worden. Hätten Sie mit so großen Anlaufschwierigkeiten gerechnet?

Ruhnert: In dieser Phase der Saison sind es keine Anlaufschwierigkeiten mehr, sondern ernsthafte Probleme. Mittlerweile müssen wir aber feststellen, dass es ausschließlich mit jungen Talenten nicht so funktioniert, wie wir es uns gewünscht haben. Daher müssen wir überdenken, wie wir reagieren, denn ich glaube immer noch, dass die Spieler dafür stark genug wären. Leider stimmen die Einstellung und das Auftreten der Mannschaft noch nicht.

„Einige Spieler müssen sich fragen, ob die persönlichen Ansprüche und das Auftreten zueinanderpassen“, kritisierte unlängst Trainer Jürgen Luginger. Sind damit auch Top-Talente wie etwa Donis Avdijaj gemeint?

Ruhnert: Es ist eine generelle Aussage des Trainers, die ich absolut teile und alle Spieler umfasst. Klar ist: Jungprofis stehen noch besonders im Fokus. Grundsätzlich sind alle gefordert, sich für viel Aufwand im Spiel zu belohnen. Es kann nicht sein, dass wir viele Mannschaften in der Liga zeitweise deutlich dominieren und dann in einigen Phasen plötzlich quasi nicht auf dem Platz sind. Da haben wir ein Mentalitätsproblem.

Gab es schon Gelegenheit, sich mit dem neuen Cheftrainer Roberto Di Matteo über die Situation im Nachwuchsbereich näher auszutauschen?

Ruhnert: Ich bin im engen Austausch mit unserem Sportvorstand Horst Heldt. Roberto Di Matteo kam genau in der Phase, in der wir mit der U 23 für einige Tage in Tadschikistan waren. Dazu besitzt die englische Woche der Profis absolute Priorität. Danach ist auch die Zeit, um mit ihm wichtige Dinge im Nachwuchsbereich konkret zu besprechen.

Horst Heldt hatte sich im Sommer für den Erhalt der U 23 ausgesprochen. Könnte ein möglicher Abstieg in die Oberliga ein Umdenken auslösen?

Ruhnert: Nach dem 12. Spieltag ist es zu früh, sich mit solchen Szenarien zu beschäftigen. Wir haben uns entschieden, die U 23 sukzessive in Richtung U 21 zu verjüngen. Dies war ein radikaler, aber auch notwendiger Schritt, der uns auf Dauer mehr bringt. Wie in jedem Jahr werden wir nach Ablauf der Spielzeit dann in aller Ruhe die Saison analysieren.

Eine mögliche Abmeldung stünde im Gegensatz zum geplanten Bau einer modernen Nachwuchsarena im Bereich des ehemaligen Parkstadions!

Ruhnert: Derzeit geht es bei uns nicht um eine Abmeldung, sondern um die aktuelle sportliche Situation. Für uns ist es generell wichtig, unsere Infrastruktur so zu verbessern, damit sie allen Nachwuchsteams zu Gute kommt. Wir wollen auch in Zukunft definitiv eine weitere Leistungsmannschaft zwischen den Profis und der U 19 haben.

In Kürze geht Schalke auch mit einer U 21-Mannschaft im neuen „Premier League International Cup“-Wettbewerb, der komplett in England ausgetragen wird, an den Start. Experiment oder eine dauerhafte Alternative zu einer U 23?

Ruhnert: Wir sind bemüht, attraktive Modelle für unsere U 21 zu organisieren, denn auf Dauer kann die Regionalliga aus meiner Sicht ohnehin nicht in ihrer aktuellen Form erhalten bleiben. Angesichts der Leistungen in der Liga mache ich mir aktuell aber auch ernsthafte Gedanken, ob wir diese Modelle tatsächlich intensiv verfolgen sollten. Die Jungs dürfen schließlich auch kein Alibi für ihre schwachen Leistungen in der Meisterschaft bekommen.

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