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Gladbacher Stadtderby im Faktencheck

1:FC Mönchengladbach empfängt die „Fohlen“.

Das Stadtderby zwischen dem 1. FC Mönchengladbach und dem Nachbarn Borussia steht am Sonntag (ab 11 Uhr) in der West-Staffel der A-Junioren-Bundesliga besonders im Blickpunkt. „Die Vorfreude auf dieses Spiel ist bei uns riesengroß“, sagt FCM-Trainer Marcel Winkens im Gespräch mit DFB.de. „Wir wollen uns mit der großen Borussia, deren Heimstätte nur 3,5 Kilometer von unserer Platzanlage entfernt ist, einen heißen Tanz liefern.“

Beide Mannschaften sind nicht optimal in die neue Spielzeit gestartet. Der Nachwuchs der Borussia, trainiert von Ex-Profi Arie van Lent, kämpft nach sieben Punkten aus den ersten vier Partien um den Anschluss an die Spitzengruppe. Für Gastgeber 1. FC Mönchengladbach (fünf Punkte) geht es ohnehin „nur“ um den Klassenverbleib.

Die Unterschiede zwischen beiden Vereinen könnten kaum größer sein. Während die erste Mannschaft des FCM als Aufsteiger in der Oberliga Niederrhein unter anderem beim TV Kalkum-Wittlaer und SV Hönnepel-Niedermörmter antreten muss, treten die Profis von Borussia Mönchengladbach in der Champions League gegen den FC Sevilla, Juventus Turin und Manchester City an. Das „Spiel der Woche“ in der A-Junioren-Bundesliga im DFB.de-Faktencheck.

Die Persönlichkeit: Das bekannteste Vereinsmitglied des 1894 gegründeten Vereins 1. FC Mönchengladbach ist Günter Netzer. Der 71-jährige ehemalige Welt- und Europameister spielte während seiner Jugendzeit bis 1963 zunächst beim FCM, bevor er den Weg zur Borussia fand. Bei den „Fohlen“ und später bei Real Madrid erlangte Welt- und Europameister Netzer Weltruhm.

Der direkte Vergleich: In der jüngeren Vergangenheit sind beide U 19-Mannschaften erst dreimal in einem Pflichtspiel gegeneinander angetreten. In der vergangenen Saison setzte sich Borussia Mönchengladbach zu Hause 1:0 durch. Im Rückspiel in der Ernst-Reuter-Kampfbahn kam die Mannschaft von Arie van Lent nicht über ein 1:1 hinaus. Auch in der letzten Niederrhein-Pokalrunde tat sich die Borussia beim „kleinen“ Lokalrivalen schwer, zog erst nach Elfmeterschießen (7:6) in das Halbfinale ein.

Die Erfolge: Die Titelsammlung von Borussia Mönchengladbach im Nachwuchsbereich hält sich in Grenzen. 1962 wurden die A-Junioren mit einem 4:0 über Westfalia Herne zumindest Westdeutscher Meister. Herbert Laumen und Herbert „Hacki“ Wimmer standen damals in der Startelf, wurden später mit den Profis Deutscher Meister. 1987 und 1988 erreichte die Borussia das Endspiel um den DFB-Junioren-Vereinspokal, unterlag aber jeweils dem 1. FC Nürnberg (1:2 und 0:1). Zwanzig Jahre später (2008) gelang noch einmal der Finaleinzug, aber erneut unterlagen die Gladbacher (0:3 gegen Bayer 04 Leverkusen). Seit Einführung der dreigleisigen Bundesliga (2003) warten die „Fohlen“ noch auf ihren ersten Staffelsieg und damit auch auf die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Beste Platzierung war ein dritter Rang. Das Gründungsmitglied belegt in der „Ewigen Tabelle“ der West-Staffel hinter FC Schalke 04, Bayer 04 Leverkusen, dem 1. FC Köln und VfL Bochum den fünften Platz. Der 1. FC Mönchengladbach feierte mit dem Bundesliga-Aufstieg 2014 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, belegte im Aufstiegsjahr Platz sieben.

Die Trainer: Marcel Winkens, der im Berufsleben als kaufmännischer Angestellter in der Zollabteilung eines Innovationsunternehmen in Jüchen arbeitet, ist seit drei Jahren Trainer beim FCM. Erste Erfahrungen im Trainergeschäft sammelte der 32-Jährige in der Kreisklasse bei der U 19 des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler 09/09. Selbst aktiv war Winkens für Jüchen-Garzweiler in der Bezirksliga und bei seinem jetzigen Verein 1. FC Mönchengladbach in der Landesliga. Auf der Gegenseite steht bei der Borussia mit Arie van Lent ein ganz erfahrener Ex-Profi an der Seitenlinie. Der 45-Jährige ist seit 2013 für den Nachwuchs der „Fohlen“ verantwortlich. Seine Trainerstationen: 1. FC Kleve, Rot Weiss Ahlen und Kickers Offenbach. Van Lent kann in seiner aktiven Laufbahn auf insgesamt 242 Erst- und Zweitliga-Einsätze zurückblicken, in denen er 92 Treffer erzielte.

Die Voraussetzungen:
Während der Champions League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach über ein mit drei Sternen zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) verfügt, das den Talenten optimale Möglichkeiten bietet, kann der FCM von solchen Rahmenbedingungen nur träumen. So fehlt beispielsweise eine eigene Scouting-Abteilung. „Wir haben nicht die finanziellen Mittel und müssen mit anderen Werten punkten“, sagt Winkens unter anderem mit Blick auf die Bedingungen bei der Borussia. Auf der FCM-Vereinsanlage befinden sich ein Kunstrasenplatz mit Mindestmaß, ein Kleinfeld-Kunstrasen und ein Naturrasenplatz ohne Flutlichtanlage. Insgesamt 25 Mannschaften müssen dort ihr Training absolvieren. Kein Wunder, dass es unter der Woche eng wird. Deshalb absolviert die Winkens-Elf zwei von vier Trainingseinheiten auf der Anlage des Kreisligisten SC Odenkirchen-Süd. Wenn dort der Rasenplatz gesperrt ist, wird auf Asche trainiert. „Um weiter konkurrenzfähig zu sein, müssen wir die zehn Kilometer Anreise in Kauf nehmen und nach Odenkirchen ausweichen“, so Marcel Winkens.

Die Stimmen: „Obwohl wir im Aufstiegsjahr auf dem siebten Platz gelandet sind, geht es für uns auch in dieser Spielzeit nur um den Klassenverbleib“, sagt FCM-Trainer Winkens. „Die Leistungsdichte zwischen den ersten sieben Mannschaften und dem Rest der Liga ist noch größer geworden. Wir werden wieder alles versuchen, um den Großen erneut ein Bein zu stellen. Wegen unserer personellen Probleme müssen sich die Jungjahrgänge nun beweisen und werden von mir ins kalte Wasser geworfen.“ Die Mannschaft von Ex-Profi Arie van Lent sammelte zuletzt auf internationalem Parkett Erfahrung. In ihrem ersten Gruppenspiel in der UEFA Youth League unterlagen die „Fohlen“ beim FC Sevilla 2:4. In der Meisterschaft kamen die Gladbacher zuletzt beim aktuellen Deutschen Meister FC Schalke 04 zu einem 1:1. „Wir können mit dem bislang Erreichtem ganz zufrieden sein. Wir haben uns bis jetzt gut präsentiert und es insgesamt sehr ordentlich gemacht“, sagt van Lent.

Der Personal-Austausch: Auch vor dieser Spielzeit hat sich 1. FC Mönchengladbach bei der Zusammenstellung seines Kaders beim Nachbarn „bedient“. Mit Mittelstürmer Leotrim Kryeziu, Innenverteidiger Mete Yildiz, Rechtverteidiger Melvin Ucar und Mittelfeldspieler Christian Scharwächter haben gleich vier Zugänge eine Borussen-Vergangenheit. Ucar und Scharwächter (beide Kreuzbandriss) werden die Partie gegen ihren Ex-Klub aber verpassen. Außerdem fallen die Mittelfeldspieler Lucas Esser und Niklas Laudahn (beide Rückenprobleme) aus. Die Borussia hat in den vergangenen vier Spielzeiten lediglich zwei Spieler vom Lokalrivalen unter Vertrag genommen. Torhüter David Platen wechselte 2013 zur Borussia, spielt aktuell in der Oberliga Niederrhein beim TSV Meerbusch. In dieser Spielzeit erhält Innenverteidiger Tobias Schütz, der von den Blau-Gelben zur Borussia gewechselt war, die Chance, sich dort für einen Profivertrag zu empfehlen.

 

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