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WSV-Routinier Aydogmus: „Ich bin der große Bruder“

37-jähriger Stürmer des Wuppertaler SV im „kicker“-Interview.

Trotz seiner 37 Lenze sorgt Ex-Profi Ercan Aydogmus (Foto) vom Aufsteiger Wuppertaler SV immer noch für Furore. Der wuchtige Angreifer mit der ungewöhnlichen Rückennummer 58 hat in der Regionalliga West nach sieben Spielen fünf Treffer auf dem Konto, ist einer der Erfolgsgaranten des noch unbesiegten Ex-Bundesligisten.

Wie fit fühlen Sie sich mit 37 Jahren noch, Herr Aydogmus?

Ich könnte mich nicht besser fühlen, denke noch nicht daran, mit dem Fußball aufzuhören. Um fit zu bleiben, arbeite ich weiter an mir. Wenn Defizite da sind, mache ich sie durch hartes Training wett. An trainingsfreien Tagen gehe ich beispielsweise oft eine Runde laufen.

Sie nehmen beim WSV eine Führungsrolle ein. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin mir bewusst, dass vor allem junge Spieler zu mir aufschauen. Allerdings bin ich niemand, der sich über andere stellt. Ich bin eher der große Bruder, der gerne Fragen beantwortet und hilft. Mit Gaetano Manno, Silvio Pagano, Pascal Bieler und Daniel Grebe haben wir aber auch noch andere erfahrene Leute im Kader, die sich darum kümmern, dass sich jeder Einzelne im Team wohl fühlt.

Sie tragen nicht zum ersten Mal die Rückennummer 58. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

In meinem Heimatland Türkei bestehen die Kfz-Kennzeichen aus Zahlen. Die „58“ ist das Kennzeichen meines Geburtsortes Sivas. Nur in der Drittligasaison 2014/2015 mit Fortuna Köln musste ich auf das Trikot mit der Nummer neun ausweichen, weil Trikotziffern über 40 im deutschen Profifußball nicht erlaubt sind.

Gegen Viktoria Köln (3:3) und bei Fortuna Düsseldorf II (2:2) retteten Sie dem WSV jeweils mit Last-Minute-Toren das Remis. Warum sind Sie besonders kurz vor dem Abpfiff so torgefährlich?

Wenn du alles nach vorne wirfst, ist sicherlich auch eine Portion Glück dabei. Allerdings üben wir im Training oft diese Spielsituationen, schlagen viele lange Bälle. Anscheinend tragen unsere Trainingsmethoden Früchte.

Beim jüngsten 2:2 gegen Alemannia Aachen gelang Ihnen fast wieder ein Treffer in der Schlussminute, Torwart Pascal Nagel parierte stark. Hat Sie das geärgert?

Tatsächlich hat mich diese Situation nach Abpfiff noch einige Stunden beschäftigt. Sicher war der Ball schwierig zu nehmen. Viele haben mir gesagt, dass ich den nie im Leben hätte reinmachen können. Aber ich kenne meinen Fuß. Wenn ich den Ball richtig treffe, dann geht er rein und wir gewinnen das Spiel. Es war insgesamt keine gute Leistung von mir. Da bin ich selbstkritisch genug, um das zuzugeben.

6.221 Zuschauer waren im Stadion am Zoo. Sind Spiele vor so einer großen Kulisse für Sie immer noch etwas Besonderes oder lässt Sie das mittlerweile kalt?

Ich genieße solche Partien sogar mehr als vor fünf oder zehn Jahren. Andere haben in meinem Alter ihre Karriere längst beendet. Ich darf weiter vor großen Kulissen Fußball spielen. Etwas Schöneres gibt es nicht. Ich muss unseren Fans ein großes Lob aussprechen. Sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen ist die Unterstützung phänomenal, die Stimmung überwältigend.

Der WSV rangiert unbesiegt auf Platz sechs. Zufrieden?

Ich bin stolz auf das, was wir bisher geleistet haben. Wir mussten weder gegen Rot-Weiss Essen noch gegen Viktoria Köln oder Alemannia Aachen Niederlagen hinnehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Unsere Zielsetzung hat sich dadurch aber nicht verändert. Der Klassenverbleib bleibt das A und O.

Am Samstag geht es zum ebenfalls noch unbesiegten Spitzenreiter Borussia Dortmund II. Wie schätzen Sie den BVB ein?

Dortmund besitzt ein starkes Team. Es wird sehr schwer für uns, aber wir gehen wie immer optimistisch in das Spiel und werfen alles hinein, um die Heimreise mindestens mit einem Punkt im Gepäck anzutreten.

Interview: Christian Knoth/MSPW

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