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Galopp Mülheim: Trainingsbetrieb vor dem Aus

Finanzlage zwingt zu Kostenreduzierung – Mitglieder empfehlen Einstellung.
Um eine mögliche Insolvenz des Mülheimer Galopprennvereins auszuschließen, soll der Trainingsbetrieb auf der Rennbahn am Raffelberg zum 31. Dezember 2017 eingestellt werden. Das haben die Mitglieder des Rennvereins bei einer außerordentlichen Versammlung mehrheitlich beschlossen (60 zu 22 Stimmen bei einer Enthaltung). Sie folgten damit einem Antrag des Präsidiums unter dem Vorsitz von Hans-Martin Schlebusch. Grund: Der vom Rennverein bislang organisierte Trainingsbetrieb verursacht deutlich höhere Kosten als Einnahmen, vergrößert damit die finanzielle Schieflage des ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Vereins.

Die Durchführung von geplanten Rennveranstaltungen auf der beliebten Familien-Rennbahn am Raffelberg, auf der bereits am kommenden Montag (24. Juli) ab 17.55 Uhr der nächste Renntag mit acht Prüfungen stattfinden wird, ist von dem Beschluss allerdings nicht betroffen. Vielmehr soll durch die Sparmaßnahmen erreicht werden, dass die Zukunft des Rennvereins gesichert wird und er sich auf seine satzungsgemäße Aufgabe „Veranstaltung von Galopprennen“ konzentrieren kann. Das Präsidium wurde deshalb von den Mitgliedern beauftragt, die Miet- und Pachtverträge mit den ansässigen Rennställen unter Einhaltung der rechtlichen Voraussetzungen zu beenden.

Zu Beginn der Mitgliederversammlung, die trotz der großen Brisanz von sachlichen Beiträgen und Diskussionen durch die Befürworter und Gegner des Beschlusses gekennzeichnet war, hatte Vizepräsident Ralf H. Schmitz die prekäre finanzielle Lage des Mülheimer Rennvereins und die Zusammenhänge mit dem defizitären Trainingsbetrieb skizziert. Obwohl der auf der Rennbahn ansässige Golfclub bereits jetzt seine komplette Pachtzahlung für 2017 überwiesen hat, um die Liquidität des Verpächters zu verbessern, schiebt der Rennverein aktuell offene Rechnungen in beträchtlicher Höhe, die noch nicht beglichen werden konnten, vor sich her. Der Kontokorrentkredit bei der Sparkasse, die ohnehin zu den größten Gläubigern des Rennvereins gehört, ist aktuell ausgeschöpft und wird auch nicht erhöht.

Gleichzeitig habe die rückläufige Zahl der in Mülheim im Training befindlichen Galopper (2008 noch etwa 200, 2017 nur noch ca. 120 Pferde) zu deutlichen Mindereinnahmen bei Boxenmiete sowie bei Nutzungsgebühren für die Inanspruchnahme der Gras- und der neu installierten Sandbahn geführt, während die von Trainern und Besitzern gestellten Anforderungen bezüglich der Bereitstellung der Trainingsanlagen ebenso gestiegen seien wie zahlreiche Nebenkosten. Schmitz nannte neben den Personalkosten für die Aufbereitung des Geläufs als größtem Faktor unter anderem auch vom Rennverein bezahlte Reparaturen (45.000 Euro, davon 25.000 Euro für den Trainingsbetrieb), Kosten für eine Brandmeldeanlage (25.000 Euro), Versicherungsprämien (24.000 Euro jährlich) sowie eine allerdings noch umstrittene Wassernachzahlung von 12.400 Euro. Erschwerend kam noch eine Betriebsprüfung für die Jahre 2012 bis 2014 hinzu, die zu einer Umsatzsteuer-Nachzahlung von knapp 20.000 Euro führte.

Um mit den ansässigen Rennställen möglichst zu einer einvernehmlichen Regelung zu kommen, hatten die Verantwortlichen des Rennvereins in den letzten Wochen und Monaten mit den Besitzern und Trainern über eine Erhöhung der Mieten und Nutzungsgebühren verhandelt, um eine Fortsetzung des Trainingsbetriebs verantworten zu können. Nachdem die Mehrzahl der Pferdebesitzer die erbetene Erhöhung der Beiträge für die Nutzung der Rennbahn jedoch abgelehnt hatte, sah sich das Präsidium des Rennvereins auch unter dem Gesichtspunkt eines Insolvenzrisikos gezwungen, so schnell wie möglich wirksame Maßnahmen zur Kostenreduzierung zu ergreifen. „Wir hatten keine andere Wahl, als jetzt unverzüglich zu reagieren“, sagte Schmitz.

Auch Präsidiumsmitglied Dirk von Mitzlaff, dessen Familie bereits seit mehr als 100 Jahren im Galopprennsport aktiv ist und der selbst vier Pferde am Raffelberg trainieren lässt, warb um Verständnis für die Haltung des Rennvereins: „Mir persönlich tut diese Entwicklung in der Seele weh. Aber ich sehe dazu keine Alternative. Es kommt nicht von ungefähr, dass auch der Rennverein in Dortmund den Trainingsbetrieb schon komplett eingestellt hat. Einen Trainingsbetrieb mit etwa 100 Pferden zu organisieren, das rechnet sich nicht.“

Eine Hintertür bleibt allerdings noch offen. Sollte sich durch die Initiative einiger Besitzer und Trainer eine Gesellschaft finden oder gründen, die den Trainingsbetrieb am Raffelberg in Eigenregie durchführen und finanzieren möchte, ohne dass der Rennverein ein Risiko tragen muss, dann werde das Präsidium ein solches Angebot intensiv prüfen. Entsprechende Vorgespräche habe es bereits gegeben. Noch sei aber nichts spruchreif. „Sollte es gelingen, eine solche Lösung zu realisieren, wäre das ganz in unserem Sinne“, sagt Dirk von Mitzlaff: „Der Rennverein allerdings kann diese Aufgaben nicht mehr übernehmen.“

Wie außerdem während der Versammlung bekannt wurde, besteht das Präsidium aktuell nur noch aus drei Personen (Hans-Martin Schlebusch, Dirk von Mitzlaff und Ralf Schmitz). Gerd Wesemann hatte zum 30. Juni aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. In einer kurzfristig anzusetzenden weiteren Mitgliederversammlung soll daher zwecks Verstärkung des Vorstandsteams eine Neuwahl des Vorstands durch die Mitgliederversammlung erfolgen.

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