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Galopp-Chef Michael Vesper: „Räder müssen ineinandergreifen“

Forum zur Zukunft des Rennsports fand auf der Bahn in Düsseldorf statt.


Wie geht es weiter mit dem deutschen Galopprennsport? Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen hatte zusammen mit der Fachzeitung „Sport-Welt“ auf die Galopprennbahn in Düsseldorf geladen, um über die Zukunft des Rennsports in Deutschland zu diskutieren. Rund 70 Teilnehmer, darunter die Galopper-Trainer Peter Schiergen (Köln) und Reiner Werning (Dortmund) sowie zahlreiche Funktionäre, Besitzer und Züchter, folgten der Einladung ins Teehaus. Gastgeber war Peter Michael Endres (Duisburg), Präsident des Düsseldorfer Rennvereins.

Der frühere Grünen-Politiker und Landesminister Dr. Michael Vesper (auf dem Foto links – neben Patrick Bücheler, Chefredakteur der „Sport-Welt“), seit rund neun Monaten Präsident des Galopper-Dachverbandes, führte durch die mehrstündige Veranstaltung mit vielen kontroversen Diskussionen zu den Themen Rennen und Renntage, Besitzer und Züchter, Öffentlichkeitsarbeit und PR sowie Wetten. Der Tenor: Der Galopprennsport, der seit Jahren mit sinkenden Umsatzzahlen zu kämpfen hat, muss laut Vesper „brutal arbeiten“, um wieder eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. „Das geht nur zusammen. Alle Räder müssen nahtlos ineinandergreifen – wie bei einer Maschine oder einem Orchester“, sagte Vesper, jahrelang auch Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Es muss allen Spaß machen, ein Teil davon zu sein.“

Neues Publikum generieren, Stammpublikum halten

Einig waren sich die Diskussions-Teilnehmer darüber, dass der deutsche Galopprennsport kein Besucherproblem hat. Die Rennbahnen seien gut gefüllt. Allerdings gebe es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Zuschauer genau auf den Bahnen sind (meistens wird grob geschätzt) und welchem Klientel sie angehören. Vesper: „Wir werden eine Arbeitsgruppe ‚Event‘ ins Leben rufen, die sich mit diesen Problemen beschäftigt und die vor allem dafür sorgen soll, dass den Menschen auf der Rennbahn ein einzigartiges Erlebnis geboten wird.“

Das gilt auch und besonders für die Besitzer und Züchter, die von den Rennvereinen schon beim Betreten bei der Rennbahn an die Hand genommen werden soll. Ihnen soll sprichwörtlich der „rote Teppich“ ausgerollt werden, weil sie zu den wichtigsten Protagonisten im Rennsport gehören.

Auch andere Veranstaltungen auf die Rennbahnen holen

Referent Eckhard Sauren, Präsident des Kölner Galopprennvereins, gab sich beim Thema „Öffentlichkeitsarbeit und Marketing“ keinen Illusionen hin. „Wir sind eine Randsportart. Die breite Masse interessiert sich nicht für uns“, so der Funktionär. „Es ist trotzdem nicht unmöglich, Beiträge auch im Fernsehen zu platzieren. Allerdings ist das sehr schwierig. Das Deutsche Derby wurde erst gezeigt, nachdem sich Michael Vesper eingeschaltet hatte.“

Sauren hält Veranstaltungen auf der Rennbahn, die nicht unmittelbar mit dem Galopprennsport zu tun haben, für ein gutes Mittel, Menschen für das Gelände zu begeistern und auch zusätzliches Geld zu verdienen. Der Kölner Rennverein habe zum Beispiel mit Konzerten und Fußball-Übertragungen während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland recht gute Erfahrungen gemacht.

Wetter dürfen etwas erwarten

Einen Spagat muss der Galopprennsport beim Thema „Wetten“ schaffen. Es gelte, die alten Kunden zu halten und neue hinzugewinnen. Tenor: Der Wetter darf etwas erwarten, wenn er auf der Rennbahn Geld ausgibt. Der Sport muss ihm aber auch etwas bieten. Es gebe einen recht stabilen Trend bei den Besucherzahlen. Die Wettumsätze halten jedoch nicht mit, weil das Publikum nicht mehr so wett-affin sei.

Um neue Kunden zu gewinnen, setzt der Galopprennsport zum Beispiel auf die Lotto-Gesellschaften. Eine schwere Wette (Fünfer-Wette/die ersten fünf Pferde in richtiger Reihenfolge) mit hohen Gewinnchancen (im sechsstelligen Bereich bei kleinem Einsatz) könnte eine Möglichkeit sein. Allerdings gibt es in den 16 Bundesländern auch 16 verschiedene Gesetze, was zahlreiche Verhandlungen nötig macht. Einigkeit herrschte unter anderem darüber, dass 10:10-Wetten, also ohne jeden Gewinn („Geldwechsel“), in Zukunft möglichst vermieden werden sollen.

Text und Foto: Thomas Palapies-Ziehn/MSPW

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