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DFB-Junioren-Cheftrainer Schönweitz: „Austausch mit der Basis wichtig“

Amateurfußball-Kongress in Kassel dauert noch bis bis Sonntag.
Beim 3. Amateurfußball-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dreht sich noch bis Sonntag in Kassel alles um die Zukunft des Amateurfußballs. Auch Meikel Schönweitz, der Cheftrainer der U-Nationalmannschaften, ist vor Ort und spricht über seine eigene Amateurzeit, neue Konzepte im Jugendfußball und Scouting bei den Amateuren.

Meikel Schönweitz über

… den Kongress: Es ist eine sehr interessante Tagung mit tollen Beiträgen. Ein tolles Signal für den Amateurfußball. Ich freue mich auf das, was noch kommt, vor allem auf die Workshops. Alle Fußballspieler fangen in Amateurvereinen an. Es ist wichtig, dass wir uns auf diese Art und Weise mit der Basis austauschen.

… seine eigene Amateurzeit: Ich versuche, so oft es geht, bei meinem Heimatverein vorbeizuschauen und in das Vereinsleben einzutauchen. Meine Eltern sind schon lange engagiert und betreuen die Jugendmannschaften. Ich habe sehr viel Wichtiges aus dem Vereinsleben damals herausgezogen.

… den Erhalt der Begeisterung für den Fußball: Wir wollen den Fußball wieder in den Vordergrund stellen. Es wird viel berichtet, aber zu wenig über den Kern und über den Spaß, den der Fußball vermittelt.

… neue Konzepte im Jugendfußball: Alle zwei Jahre gibt es gefühlt einen neuen Trend. Aktuell suchen wir Dribbler, vorher Mittelstürmer. Es wird immer einschneidende Veränderungen geben. Wir wollen Fußballer mit Kreativität finden. Die Jugendlichen sollen Spaß haben und sich mit vielen Ballkontakten weiterentwickeln. Eine Möglichkeit wäre, im Jugendbereich aus dem sieben gegen sieben ein zwei gegen zwei oder drei gegen drei zu machen. Die Spieler werden dadurch viel mehr eingebunden und müssen mehr Entscheidungen treffen. Gehe ich ins Dribbling, oder spiele ich einen aus. Es geht nicht darum, mit Gewalt neue Regeln zu finden, aber wir schauen auch ins Ausland, wo diese Alternative bereits praktiziert wird.

… Kritik: Alles, was irgendwo Veränderung bedeutet, da schrecken die Menschen erst mal zurück. Bedeutet es mehr Arbeit oder zu viel Umstellung? Wir machen uns intensiv Gedanken, wie wir Jugendliche mehr einbinden, Kreativität vermitteln und die Spieler verbessern können. Es ergibt durchaus Sinn, die eine oder andere Schraube zu drehen.

… den Mangel an Trainern im Amateurfußball: Die Akademie macht sich bereits Gedanken und hat schon Ideen. Mehr Digitalisierung beispielsweise. Ich sehe darin auch kein Fußballproblem, sondern ein Gesellschaftsproblem. Der Alltag hat sich geändert. Termine sind flexibler geworden, so dass es immer schwieriger wird, mehrmals in der Woche auf dem Fußballplatz zu stehen.

… Maßnahmen für die Basis: Der deutsche Fußball ist wie ein großes Containerschiff mit sieben Millionen Menschen. Da sind viele Institutionen beteiligt. Wir müssen alle mit in dieses Boot nehmen. Keiner wird als Nationalspieler geboren. Die Grundlagen für die Elite müssen an der Basis anfangen.

… die Vermittlung von Werten: Da sehe ich zum einen die Verantwortung der Spieler für das eigene Handeln. Da arbeiten wir noch zu wenig dran. Zum anderen müssen wir Werte, die etwas verloren gehen, wieder in die Gesellschaft zurückbringen. Wir sind in Deutschland schon in einer guten Situation, laufen aber Gefahr, dass die Jugendlichen Widerstandsfähigkeit und Eigenverantwortung verlieren. Das müssen wir schulen. Es gilt, eine Bolzplatzmentalität zu schaffen. Das war der Ort, wo du Eigenverantwortung gelernt hast. Das sollten die Trainer vermitteln. Wichtig ist auch die Selbstreflexion. Trainer müssen sich auch mal selbst hinterfragen und Spieler nicht immer gleich ansprechen. Da kann man viel an Persönlichkeitsentwicklung schrauben.

… Scouting im Amateurfußball: Das zieht sich durch alle Bereiche. Wir haben bereits ein flächendeckendes Netz aufgebaut. Jugendliche werden in DFB-Stützpunkten gefördert. Die besten Spieler sollen auch in der Elite ankommen. Vereine könnten zudem weiterhin engen Kontakt zu Ex-Spielern pflegen. Insgesamt wird viel gescoutet, auch die Nachwuchsleistungszentren sind breit aufgestellt.

… zur EURO 2024: Da steckt riesiges Potenzial für den Amateurfußball drin. Ich hoffe auf eine ähnliche Stimmung wie 2006. Die Vereine werden profitieren, weil so ein Turnier im eigenen Land Lust macht auf mehr. Die Leute haben dann wieder Bock auf Fußball.

Quelle: DFB.de

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