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Schalke 04: Clemens Tönnies lässt Ämter drei Monate ruhen

Konsequenzen nach diskriminierender Entgleisung.
Seine als rassistisch und diskriminierend eingestuften Äußerungen beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn haben für Clemens Tönnies (Foto), den erst vor wenigen Wochen wiedergewählten Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, vereinsinterne Konsequenzen. Wie der Verein am späten Dienstagabend nach einer rund fünstündigen Sitzung des Ehrenrates mitteilte, wird der Fleischfabrikant Tönnies seine Ämter für drei Monate ruhen lassen.

Die Schalker Presse-Erklärung im Wortlaut:

„Der Ehrenrat des FC Schalke 04 hat am Dienstagabend in der Sache Tönnies verhandelt. Das Gremium ist nach mehrstündiger Sitzung zu dem Ergebnis gelangt, dass der gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des S04, Clemens Tönnies, erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist.

Vorzuwerfen ist ihm allerdings, gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben. Clemens Tönnies hat diese – insbesondere den Vorsitzenden des Aufsichtsrats treffende – Pflicht verletzt. Den Verstoß hat er in der Sitzung vom Dienstag eingeräumt und ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht.

Clemens Tönnies hat aufgrund dessen erklärt, sein Amt als Mitglied des Aufsichtsrats und dessen Vorsitz für einen Zeitraum von drei Monaten ruhen zu lassen. Danach wird er seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen.

Der Ehrenrat begrüßt die Haltung von Clemens Tönnies und nimmt beide Erklärungen zustimmend zur Kenntnis.“

Zum Hintergrund:

Tönnies hatte als Festredner beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn bei einer Diskussion um den Klimawandel vorgeschlagen, jährlich 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. Seine Begründung: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Damit hatte er für Empörung gesorgt. Unter anderem hatte die Schalker Fan-Initiative, die sich den Kampf gegen Diskrimierung auf die Fahnen geschrieben hat, den Ehrenrat aufgefordert, Konsequenzen zu ziehen.

Dem Schalker Ehrenrat gehören Prof. Dr. Klaus Bernsmann (Leiter des Lehrstuhls für Straf-und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum), Götz Bock (Richter am Hessischen Finanzgericht), Hans-Joachim Dohm (Evangelischer Pfarrer i.R.), Bernhard Terhorst (Steuerberater) und Kornelia Toporzysek (Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf) an.

Zuvor hatte sich Tönnies in einem Statement für seine Entgleisung entschuldigt. Auch der Vorstand des Vereins (Alexander Jobst, Peter Peters, Jochen Schneider) nahm offiziell Stellung.

Das Statement von Clemens Tönnies:

„Liebe Schalker, als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1.000-prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04, für meine Aussage beim Tag des Handwerks entschuldigen. Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid.“

Die Presse-Erklärung des Schalker Vorstandes:

„Der Vorstand des FC Schalke 04 erklärt sich zu den Aussagen, die Clemens Tönnies beim Tag des Handwerks getätigt hat. Wir haben Clemens Tönnies in den langen Jahren der Zusammenarbeit nie anders erlebt als jemanden, der mit vollem Einsatz für den FC Schalke 04 und unsere Werte einsteht.

Seine Aussage steht natürlich in deutlichem Widerspruch zu unserem Leitbild, daher war seine Entschuldigung richtig und wichtig.“

Nach dem Ergebnis der Ehrenratssitzung gab der Vorstand eine weitere Erklärung ab:

„Wir sind uns des Schadens bewusst, den der Verein in den letzten Tagen erlitten hat. Wir werden noch intensiver daran arbeiten, um innerhalb und außerhalb des Vereins deutlich zu machen, dass der FC Schalke 04 für die Werte einer weltoffenen, freien und multikulturellen Gesellschaft steht.

Leider spiegelt die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit dies derzeit nicht wider. Bei aller Emotionalität und Aufgeregtheit der letzten Tage lassen wir den Ruf des Vereins nicht auf eine diskriminierende Aussage reduzieren.

Es kommt jetzt darauf an, dass sich Mitglieder, Fans und Verantwortliche auf das Wesentliche, den Verein, besinnen. Dabei spielt Zusammenhalt eine ganz wichtige Rolle. Gerade in schwierigen Situationen beweist sich die Kraft von Schalke 04, seinen Fans und Mitgliedern – das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt.

Wir stehen seit vielen Jahren für soziales Engagement und unterstreichen dies eindrucksvoll und nachhaltig durch eine Vielzahl an Projekten unserer Stiftung Schalke hilft!. Daran werden wir zukünftig noch couragierter arbeiten. Wir betonen noch einmal, dass wir uns immer, überall und jederzeit entschieden gegen Rassismus und jede sonstige Form von Diskriminierung stellen. Die Werte des Vereins sind sein höchstes Gut, sie stehen über allem und allen.“

Foto-Quelle: FC Schalke 04

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