Startseite / Pferderennsport / Galopp / Galopp Iffezheim: Jean-Pierre Carvalho stellt erste „Winterkönigin“

Galopp Iffezheim: Jean-Pierre Carvalho stellt erste „Winterkönigin“

Außenseiterin Ocean Fantasy gewinnt Klassiker für zweijährige Stuten.
Das bedeutendste Rennen für zweijährige Galopper-Stuten 2019 in Deutschland wurde zu einem Thriller, der die 6.500 Zuschauer beim großen Saisonfinale am Sonntag auf der Galopprennbahn in Iffezheim bei Baden-Baden von den Sitzen riss: Nach einem spannenden Kampf gewann die von Jean-Pierre Carvalho (Foto/Bergheim) für das Gestüt Höny-Hof der Familie Hellwig (Bad Homburg) trainierte Ocean Fantasy überraschend als 117:10-Außenseiterin den „Preis der Winterkönigin“ (105.000 Euro, 1.600 Meter) unter dem Italiener Michael Cadeddu mit einem kurzen Kopf Vorsprung gegen dei von Markus Klug (Köln-Heumar) vorbereitete Tickle Me Green (Maxim Pecheur).

Beide Pferde lieferten sich ab Mitte der Zielgeraden ein packendes Duell, aus dem die Make Believe-Tochter als hauchdünne Siegerin hervorging. 60.000 Euro gab es als Siegbörse für ihre Besitzer. Trainer Jean-Pierre Carvalho stellte seine erste Winterkönigin: „Die Vorbereitung von Ocean Fantasy hatte super geklappt. Sie war nicht so frühreif und musste zuletzt noch Erfahrungen sammeln. Ihr Hauptziel war immer dieses Rennen. Sie mochte den weichen Boden und die Distanz, das war bei den heutigen Bedingungen schon sehr wichtig. Auch meine andere Starterin, Shenouni, lief als Vierte bestens. Es war erst ihr zweiter Start.“

Siegjockey Michael Cadeddu ergänzte: „Wir hatten schon ganz großen Mumm, auch wenn Grupperennen für zweijährige Stute meistens sehr offen sind. In Hannover hatte Ocean Fantasy auf solchem Boden schon gut gewonnen. Als sie heute vorne war, ging sie nicht richtig von den anderen Pferden weg, aber sie ist eine Riesenkämpferin und Steherin, das hat sie heute bewiesen. Ich habe für nächstes Jahr große Hoffnungen.“

Ocean Fantasy vereitelte den fünften Erfolg in Serie von Champion Markus Klug: „Es ist natürlich sehr schade, wenn man so knapp verliert, aber die Stute hatte einen tollen Rennverlauf und eine Klasse-Leistung gezeigt“, berichtete der Trainer. Lange stand die Prüfung im Zeichen von Tabera, die an der Spitze erst ganz zuletzt passen musste und Dritte wurde. Trainer Miltcho Mintchev (Delbrück): „Wir haben natürlich nicht so große Vergleichsmöglichkeiten wie andere Ställe. Aber Tabera ist ein tolles Pferd. Sie hat sich stark aus der Affäre gezogen.“ Ihr Jockey Eduardo Pedroza kommentierte: „Wir hatten einen optimalen Rennverlauf. Ich konnte vorne alles schön einteilen. Erst auf den letzten 100 bis 150 Metern wurde sie etwas müde.“

Die viertplatzierte Shenouni kam noch besser ins Bild, doch sagte ihr Partner Filip Minarik (Köln): „Sie ist super gelaufen, der vierte Platz ist entschuldigt. Sie hat unterwegs ein Eisen verloren, sonst wären wir sicher Dritter geworden.“ Die Favoritin Schwesterherz konnte sich als Sechste nicht steigern, wurde auf der Geraden aber auch gestört.

Nancho der neue Star aus Ungarn

Nach der Baden-Württemberg-Trophy (55.000 Euro, 2.000 Meter) wurde die ungarische Nationalhymne gespielt: Der von Gabor Maronka trainierte vierjährige Wallach Nancho, im Besitz des Rennstalles Intergaj, für 9.000 Euro bei der BBAG-Jährlingsauktion erworben, dominierte mit Jockey Bayarsaikhan Ganbat in atemberaubender Manier.

Mit siebeneinhalb Längen Vorsprung distanzierte der 52:10-Mitfavorit im sechsköpfigen Feld (Akribie war abgemeldet worden) die deutschen Pferde, wobei der Dreijährige Say Good Buy knapp vor dem Favoriten Be My Sheriff Platz zwei erkämpfte.

Es war der zehnte Erfolg für Nancho, einen Sohn des früheren Spitzenzweijährigen Tai Chi, beim 17. Start. Mit 32.000 Euro Siegprämie verdoppelte er seine Gewinnsumme fast.

Trainer Gabor Maronka in einem ersten Statement: „Nancho hatte in Ungarn alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Daher wollten wir es einmal in Deutschland versuchen. Er hat großartig gewonnen. Nun machen wir Schluss für dieses Jahr. Ich bin in diesem Jahr Champion in Ungarn. Unser Stall befindet sich 30 Kilometer von Budapest entfernt.“

Jockey Bayarsaikhan Ganbat erläuterte: „Ich hatte Mumm auf das Pferd, denn ich hatte mir viele Videos von ihm auf Youtube angeschaut. Natürlich ist Deutschland eine andere Liga als Ungarn, aber er hatte immer sehr überzeugend gewonnen. Nancho hat heute bewiesen, dass er hier und in ganz Europa mithalten kann. Der Trainer hat mich schon öfter in Ungarn und in Deutschland engagiert.“

Sehr zufrieden war Trainergattin Natascha Grewe (Köln) mit Rang zwei von Say Good Buy und dem dritten Platz von Be My Sheriff, der aus bester Haltung nicht weiterkam: „Say Good Buy ist heute über sich hinausgewachsen. Be My Sheriff hat seine konstante Form einmal mehr bestätigt. Er könnte eventuell noch einmal in München antreten.“

Alexander Pietsch, der Jockey von Say Good Buy, meinte: „Wir sind vorne gegangen und haben früh Druck bekommen. Dann hatte er einen toten Punkt, sich aber noch einmal toll aufgerappelt.“ Be My Sheriffs Partner Adrie de Vries kommentierte: „Er ist gut gelaufen, wir hatten am Knick einen sehr guten Moment. Der Sieger ging dann aber leicht vorbei. Be My Sheriff hatte eine harte Saison, vielleicht ist er auch schon etwas müde.“

Itobo hatte als Vierter nie eine bessere Chance. „Es war ein unruhiger Rennverlauf für Itobo, aber ihm kann man nicht böse sein, er hat in diesem Jahr so viel erreicht. Er geht nun in die Winterpause“, so sein Betreuer Hans-Jürgen Gröschel (Isernhagen). Rolando, im Mitbesitz von Ex-Fußball-Nationalspieler Klaus Allofs (Düsseldorf), hatte nie eine Chance.

Ebenso wie Michael Cadeddu und Bayarsaikhan Ganbat gewann auch Maxim Pecheur (Lohmar) zwei Rennen und machte damit im Jockey-Championat weiteren Boden gut.

Quelle: German Racing

Das könnte Sie interessieren:

Galopp Mülheim: Anneke Ketzer ist jetzt Pferdewirtin

Rennreiterin hat Abschlussprüfung in Köln mit Erfolg absolviert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.