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Friedhelm Runge: „WSV genauso wichtig wie Zoo und Schwebebahn“

Multi-Unternehmer war 22 Jahre Präsident beim Wuppertaler SV.
Allein 22 Jahre lang (1991 bis 2013) war Friedhelm Runge (81) Präsident des heutigen West-Regionalligisten Wuppertaler SV, führte den Traditionsverein unter anderem zurück in die 2. Bundesliga. Auch mehr als sieben Jahre nach seinem Rückzug unterstützt der Multi-Unternehmer mit Gesellschaften in 23 verschiedenen Ländern nach wie vor den Klub, half schon mehrfach bei Gehaltszahlungen aus. Im MSPW-Interview für das Fachmagazin kicker nimmt Runge ausführlich Stellung.

Auch sieben Jahre nach Ihrem Abschied lassen Sie den WSV nicht hängen, unterstützen den Verein nach wie vor finanziell. Warum?
Auch wenn der Begriff ein wenig abgedroschen klingt, so stimmt er doch: Der WSV ist für mich immer noch eine Herzensangelegenheit. Drei Jahre im Verwaltungsrat und 22 Jahre als Präsident wischt man nicht so einfach weg. Ich hänge am Verein und werde ihn unterstützen, solange es mir finanziell möglich ist. Der WSV darf nicht so verschwinden, wie es beispielsweise unseren Nachbarn FC Remscheid oder Union Solingen passiert ist.

Dabei schien das Verhältnis nach Ihrem Rückzug im Januar 2013 zerrüttet. Oder täuscht der Eindruck?
Es war wirklich so. Die sogenannte Opposition hatte damals behauptet, ich hätte dem Verein fünf Millionen Euro Schulden hinterlassen, für die ich aufkommen sollte. Danach haben sie mich sogar verklagt. Es folgte eine Prozesslawine über zweieinhalb Jahre, die mich zwar kein Geld, aber viel Zeit gekostet hat. Dabei habe ich alle Verfahren, teilweise bis zum Oberlandesgericht in Düsseldorf, gewonnen. Für den WSV war das teuer. Leider.

Wie kam es wieder zu einer Annäherung?
Zu vielen Personen im Verein und im Umfeld war der Kontakt nie ganz abgerissen. Vor etwa einem Jahr kam das damalige Vorstandsmitglied Alexander Eichner auf mich zu, ob ich helfen könnte, den WSV vor einer drohenden Insolvenz zu bewahren. Da bin ich erstmals wieder eingesprungen.

Gibt es inzwischen feste Vereinbarungen mit dem Verein oder helfen Sie bei Bedarf aus?
So ist der Stand der Dinge. Ich habe zugesagt zu helfen, wenn es notwendig sein sollte.

Sie gehören einem Unterstützerkreis um den Rechtsanwalt Dr. Günter Hopfgarten an. Welches Ziel verfolgt diese Gruppe?
Es ist ein Kreis echter Wuppertaler, die dafür sorgen wollen, dass der WSV eine Institution in dieser Stadt bleibt. Dafür wird hinter den Kulissen sehr hart gearbeitet. Der Verein ist für Wuppertal genauso wichtig wie der Zoo und die Schwebebahn.

Der WSV-Vereinsführung gehören aktuell Finanzvorstand Melanie Drees und der nachgerückte Stephan Ries, ein Fachanwalt für Insolvenzrecht, an. Reicht das?
Die kurzfristige Berufung von Herrn Ries fand ich unglücklich, weil er aus meiner Sicht als Insolvenzverwalter in dieser Situation nicht zum Verein passt. Auch wenn oft etwas anderes behauptet oder geschrieben wurde: Der WSV ist nicht insolvent und aktuell auch nicht bedroht. Weil mit der Steuerberaterin Melanie Drees bereits eine Finanzexpertin dem Gremium angehört und sehr gute Arbeit leistet, würde ich es begrüßen, wenn wir wieder sportliche Kompetenz in den Vorstand bekommen würden. Es gibt daher das Bestreben, dass unser Sportdirektor Thomas Richter in die Vereinsführung aufrückt.

Mit Thomas Richter, der seit einigen Monaten wieder für den sportlichen Bereich verantwortlich ist, hatten Sie schon über viele Jahre zusammengearbeitet. Trauen Sie ihm zu, das Schiff auf Kurs zu halten?
Der WSV benötigt Leute, die fest zum Verein stehen, die im besten Fall direkt aus Wuppertal kommen. Thomas war bei uns schon Torwart, Trainer, Co-Trainer, Teammanager und jetzt Sportdirektor. Er hat das Zeug, den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Nur darum kann es in der aktuellen Situation gehen.

Würden Sie selbst noch jemals eine offizielle Funktion übernehmen?
Dr. Hopfgarten ist sehr bemüht, eine passende Persönlichkeit zu finden. Ich habe meine Hilfe zugesagt.

Schon vor der Corona-Krise hatte der Verein große wirtschaftliche Probleme. Wie sehr trifft den Klub jetzt die Aussetzung des Spielbetriebs auf unbestimmte Zeit?
Eines vorweg: Aus meiner Sicht sind die Probleme keineswegs so riesig, wie sie erscheinen. Unter dem Strich hat der WSV nach meinen Informationen 1,1 Millionen Euro Verbindlichkeiten, von denen jedoch 900.000 Euro durch Bürgschaften verschiedener Personen abgesichert sind. Um die Kosten zu senken, wurde für die Spieler Kurzarbeit angezeigt. Beispielsweise durch Außenstände könnte es sicher Liquiditätsengpässe geben. Aber das lässt sich ausgleichen.

Welches Loch würde ein möglicher Saisonabbruch reißen?
Da der WSV im Moment – leider – nicht allzu große Zuschauereinnahmen generiert, wäre der Schaden nicht so groß, zumal auch viele Zahlungsverpflichtungen wegfallen. Auf keinen Fall wäre der Verein in seiner Existenz bedroht.

Noch ist nicht absehbar, ob und wann es weitergeht. Was würden Sie vorschlagen?
Zuschauer und ihre emotionalen Reaktionen gehören einfach zum Fußball dazu. Zumindest was die Regionalliga betrifft, würde ich nur dann wieder Spiele austragen, wenn auch Zuschauer zugelassen werden. Bis dahin steht die Gesundheit aller im Vordergrund.

Viele WSV-Fans träumen von einem neuen oder zumindest einem modernisierten Stadion. Sie auch?
Noch zu meiner Zeit wurde das Stadion umgebaut. Damals hat sich die Stadt Wuppertal mit großem Engagement für den WSV eingesetzt und deutlich bessere Bedingungen geschaffen. Die damalige Radrennbahn verschwand, die Tribünen rückten näher an das Spielfeld heran. Die neue Haupttribüne kann sich auch heute noch sehen lassen, die Verkehrsanbindung ist mit der Schwebebahn ausgezeichnet. Da sollten wir nicht klagen.

Für die Zukunft: Müssen sich die Fans dauerhaft auf die Regionalliga einstellen oder ist auch wieder mehr möglich?
Erst einmal steht die Regionalliga klar im Vordergrund. Es muss endlich wieder Ruhe in den Klub einkehren, neues Vertrauen bei Sponsoren aufgebaut werden. Das wird einige Zeit dauern. Dann geht es darum, eine Mannschaft zu formen, die die Zuschauer in Wuppertal begeistern kann und wieder ins Stadion lockt. Von mehr sollten wir nicht träumen.

Interview: Ralf Debat

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6 Kommentare

  1. Danke Herr Runge, dass Sie den WSV wieder unterstützen.

  2. Bravo Herr Runge! Schön, dass Altersweisheit und landsmännische Verbundenheit (Wuppertaler) gegenüber peinlichem Machtgeplänkel obsiegen.
    Wir sehen uns im Stadion……

  3. Man kann Herrn Runge nur dankbar sein.
    NUR DER WSV !!!

  4. Ich habe immer an Herrn Runge geglaubt – trotz der ganzen Anschuldigungen. Der Mann hat Charakter. Danke für alles. Günter Fietz

  5. Vielen Dank, Herr Runge!

  6. Lieber Herr Runge, die vielen Fans des WSV haben Ihnen viel zu verdanken.
    Ich wünsche Ihnen noch viele gesunde Jahre.

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