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Corona-Krise: 1. FC Köln startet Hilfsaktion für Obdachlose

Zweimal pro Woche werden in der Innenstadt Care-Pakete verteilt.
Fußball-Bundesligist 1. FC Köln hat sein Engagement zur Unterstützung Hilfsbedürftiger in der Corona-Krise ausgeweitet. Zweimal pro Woche teilen FC-Mitarbeiter Lebensmittelpakete und Hygieneartikel an Kölner Obdachlose aus. Es ist eine außergewöhnliche Erfahrung für beide Seiten.

Die Corona-Krise verändert den Alltag aller Menschen. Obdachlose sind ganz besonders von den Auswirkungen der Pandemie getroffen. Nicht nur, weil viele von ihnen zu Risikogruppen gehören, für die das Virus besonders gefährlich sein kann. Sondern auch, weil es in diesen Tagen kaum Passanten gibt, die ihnen ein paar Münzen überlassen, kaum geöffnete Geschäfte, um sich kurz aufzuwärmen – und weniger geöffnete „Tafel“-Ausgabestellen. Der 1. FC Köln möchte Obdachlosen helfen. Vor wenigen Tagen hat dazu eine weitere Aktion begonnen.

Die Sonne scheint am Geißbockheim, als sich 13 FC-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut gelaunt – und mit dem nötigen Sicherheitsabstand – treffen. Sie alle sind motiviert, ihre derzeit überschüssige Arbeitskraft für das Wohl derer zu investieren, die bei Wind und Wetter auf der Straße leben. Nachdem der 1. FC Köln in der letzten Woche die Wiedereröffnung einiger Kölner „Tafeln“ gestartet hatte, setzt die FC-Stiftung nun weitere Mitarbeiter ein, um auf Bedürftige im Stadtgebiet zuzugehen und sie in der schwierigen Lage zu unterstützen – mit Hilfspaketen.

Care-Pakete und warmes Mittagessen

Erster Punkt auf der Agenda ist das Packen der 150 Care-Pakete, die in den nächsten Stunden an Bedürftige in der erweiterten Kölner Innenstadt ausgehändigt werden sollen. Der Inhalt: Wasser, Obst und andere Lebensmittel, aber auch Hygieneartikel wie Desinfektionstücher, Duschgel oder Einweghandschuhe. Außerdem ist jedem Paket ein Informationsflyer beigelegt, der wichtige Verhaltensmaßnahmen gegen den Corona-Virus erläutert.

Die Tüten sind durch die tatkräftige Mitarbeit aller rasch gepackt und in die Fahrzeuge verladen. Nächste Station ist das Restaurant „Ox & Klee“ im Kölner Rheinauhafen. Hier werden die Hilfspakete durch 150 warme Mittagessen ergänzt. Von dort aus geht es in wenigen Minuten zum Neumarkt, wo die FC-Mitarbeiter auf ehrenamtliche Helfer des Vereins der „Freunde der Kölner Straßen und ihrer Bewohner“ treffen. Sie kennen die Obdachlosen und ihre bevorzugten Aufenthaltsorte aus ihrer täglichen Arbeit sehr gut und sollen die FC-Helfer bei ihrem Einsatz unterstützen und beraten. Vom Neumarkt aus ziehen gemischte Zweierteams los. Durch das Zugehen auf Einzelne sollen Menschenansammlungen vermieden und die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.

Unterstützung und Aufmerksamkeit dringend notwendig

Die Hilfe soll sofort bei denjenigen ankommen, deren Sorgen und Nöte in der aktuellen Lage noch häufiger übersehen werden. Bei Menschen wie Daniel, 30 Jahre alt. Das Helferteam trifft ihn auf einer Bank am Breslauer Platz. Als Kind spielte er selbst im Fußballverein und hat als gebürtiger Kölner einen starken Bezug zum FC. Vor Jahren hatte Daniel eine Lehre zum Koch begonnen, jedoch nicht zu Ende geführt. Am liebsten kochte er deftige Weihnachtsgerichte, zum Beispiel Gänsebraten mit Äpfeln und Rosinen gefüllt, erinnert er sich. Doch auch dem Hähnchen-Curry mit Reis, das ihm die Helfer in einer Aluminiumbox überreichen, kann er einiges abgewinnen. „Es hat sehr gut geschmeckt. Ohne Hilfsaktionen wie diese wird es momentan sehr schwierig für uns, genügend Essen zu bekommen.“

Eine von vielen Begegnungen an diesem Tag, die zeigt, warum die Unterstützung Obdachloser dringend notwendig ist. Oft bedarf es dabei nicht einmal materieller Dinge. Auch ein paar freundliche Worte können schon guttun. Denn viele der Angesprochenen fühlen sich derzeit noch mehr als sonst vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Sie sind oft schon froh, sich für einige Minuten mit anderen Menschen austauschen zu können.

Insgesamt 1.000 Pakete an sieben Tagen

Nach guten dreieinhalb Stunden in der Innenstadt sind alle Hilfspakete ausgeteilt und das FC-Mitarbeiterteam fährt zurück ans Geißbockheim. Dort tauschen sich die Helfer über die Geschehnisse des Tages aus. Viele berichten von der Dankbarkeit, die ihnen entgegengebracht wurde. Eine Gruppe erhielt gar spontanen Beifall von Passanten vor einem Supermarkt.

Die Solidarität unter den Bedürftigen hat David Hufer, der sonst im Service-Team des FC arbeitet, besonders beeindruckt. „Es gab einige, die unsere Pakete nicht annehmen wollten. Sie sagten uns, wir sollten lieber um die Ecke gehen, weil sich dort Menschen aufhielten, die unsere Hilfe noch dringender brauchen würden.“

Die Obdachlosenhilfe soll ab sofort zweimal wöchentlich stattfinden. Luka Marquardt leitet und organisiert das Projekt für die Stiftung 1. FC Köln. Er ist froh über die erkennbaren Fortschritte: „Die Abläufe funktionieren immer besser. Wir freuen uns, mit unserem Engagement einen Beitrag zur Unterstützung vieler Kölner in der Krise leisten zu können. Die Reaktionen der Menschen auf der Straße zeigen uns, wie viel ihnen dieser Einsatz bedeutet. Hoffentlich können wir so noch mehr Kölnern einen Ansporn geben, trotz der angespannten Situation darüber nachzudenken, wie sie selbst helfen könnten.“

Quelle (Text und Foto): 1. FC Köln

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