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Wattenscheid 09: Künftiger Kader erhält Konturen

Von 17 Spielern liegen Neu-Trainer Christian Britscho Zusagen vor.
Als Polizeibeamter kennt sich Christian Britscho (50/auf dem Foto rechts), künftiger Trainer des ehemaligen Bundesligisten SG Wattenscheid 09, mit kniffligen Fällen aus. Der Traditionsverein aus der Lohrheide, der in der nächsten Saison aller Voraussicht nach in der Oberliga Westfalen an den Start gehen wird, könnte allerdings Britschos schwierigste Mission werden.

Seit dem 1. Oktober läuft das Insolvenzverfahren. Aufgrund fehlender Liquidität musste nur wenig später der Spielbetrieb in der Regionalliga West eingestellt werden. Das Team stand damit vorzeitig als erster Absteiger fest – und fiel komplett auseinander.

Kein Wunder, dass A-Lizenz-Inhaber Britscho vorerst nicht von höheren Zielen sprechen möchte, zumal die Corona-Krise auch in Wattenscheid die Ungewissheit noch deutlich verstärkt hat. „Wir wollen mit dem Verein wieder in ein ruhiges Fahrwasser kommen“, formuliert der künftige SGW-Trainer im Gespräch mit FUSSBALL.DE und MSPW vorsichtig: „Jede andere Aussage wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht und unpassend.“

DFB-Stützpunktleiter und VfL-Nachwuchstrainer

Der gebürtige Bochumer Britscho, der früher als DFB-Stützpunktleiter im benachbarten Herne tätig war, ehe er fast ein Jahrzehnt lang Nachwuchsmannschaften des Profiklubs VfL Bochum trainierte, gilt in Wattenscheid als großer Hoffnungsträger. „Christian erfüllt zu 100 Prozent das von uns definierte Anforderungsprofil“, betont der neue Sportvorstand Christian Pozo y Tamayo (links). „Er hat bewiesen, dass er Spieler und Mannschaften entwickeln kann, und an allen bisherigen Wirkungsstätten im positiven Sinne seine Spuren hinterlassen.“

Das gilt nicht zuletzt auch für Britschos aktuelle Station. Mit dem ehemaligen Zweitligisten Rot Weiss Ahlen, bei dem er noch bis zum Ende dieser Saison unter Vertrag steht, rangiert der erfahrene Trainer in der Oberliga Westfalen auf Platz drei. Nur drei Zähler trennen den Klub von einem Aufstiegsrang. Außerdem haben die Ahlener im Vergleich zur Konkurrenz aus Wiedenbrück und Meinerzhagen noch zwei Nachholpartien in der Hinterhand und damit gute Aufstiegs-Chancen, sollte die Saison sportlich beendet werden können.

„Fahrten nach Ahlen haben mich aufgefressen“

Nicht zuletzt wegen des positiven Saisonverlaufs überrascht Britschos Vereinswechsel auf den ersten Blick. Der zweifache Familienvater, dessen Söhne Phil (20/für den Westfalen-Oberligisten TSG Sprockhövel) und Louis (13/beim TSC Eintracht Dortmund) ebenfalls als Fußballer aktiv sind, findet jedoch eine einfache Erklärung. „Die Fahrten von meinem Wohnort Bochum nach Ahlen haben mich aufgefressen“, so Britscho mit deutlichen Worten. „Wenn man täglich fast drei Stunden im Auto sitzt, ist das schon zermürbend. Seit Oktober 2018 habe ich mir das viermal pro Woche plus Spiel angetan. Während meiner Zeit in Ahlen bin ich umgerechnet schon jetzt circa zweimal um die Welt gefahren.“

Zu seinem künftigen Arbeitgeber SG Wattenscheid 09 muss Britscho, der bei der Bochumer Bereitschaftspolizei unter anderem bei Fußballspielen und Großdemonstrationen zum Einsatz kommt oder Geldtransporte begleitet, statt der bisher nach Ahlen gewohnten 98,5 Kilometer nur noch achteinhalb Kilometer fahren, um auf dem Fußballplatz zu stehen.

„Goldene Zeiten“ mit Steilmann, Bongartz und Sané

Dass der Vereinsname auch fast 30 Jahre nach den „goldenen Zeiten“ in der Bundesliga (1990 bis 1994) nach wie vor große Strahlkraft besitzt und viele Fans bewegt, bekam Christian Britscho unmittelbar nach seiner Vorstellung zu spüren. „Ich hatte nicht mit so vielen positiven Reaktionen aus dem Wattenscheider Umfeld gerechnet“, verrät der 50-Jährige. „In zahlreichen WhatsApp-Nachrichten habe ich von SGW-Fans viel Zuspruch erhalten. Das hat mich sehr gefreut.“

Schließlich hat er auch selbst trotz seiner langen VfL-Vergangenheit einen ganz besonderen Bezug zur SG Wattenscheid 09. „Mein erster Einsatz als Bereitschaftspolizist war zu Erstligazeiten im Lohrheidestadion“, erinnert sich Britscho.

Unter der Regie von Mäzen und „Boss“ Klaus Steilmann (verstarb 2009 im Alter von 80 Jahren) sowie seines „Ziehsohns“ und Trainers Hannes Bongartz sorgten die Schwarz-Weißen damals sensationell in der Bundesliga für Furore. Legendäre Spieler wie Souleyman Sané, Vater des heutigen Nationalspielers Leroy Sané (Manchester City), oder auch Thorsten Fink, Marek Lesniak und Uwe Neuhaus (jetzt Cheftrainer bei Arminia Bielefeld) prägten das Team, das beim Abschied aus der Eliteklasse sogar eine positive Heimbilanz gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München vorweisen konnte: Zwei Siege, ein Remis und nur eine Niederlage.

Vereins-Idol Hannes Bongartz, inzwischen in der Beraterbranche aktiv, ist der SGW nach wie vor eng verbunden. Auch Christian Britscho pflegt den Kontakt zum ehemaligen Nationalspieler. „Sein Name hat bei Vertragsgesprächen immer noch Zugkraft. Davon können wir alle profitieren“, sagt der künftige Trainer.

Innenverteidiger Jakubowski unterstützt Sportliche Leitung

Obwohl mit Innenverteidiger Norman Jakubowski (27), der im Sommer vom niedersächsischen Bezirksligisten SV Wilhelmshaven nach Wattenscheid zurückkehren wird, offiziell erst ein Spieler unter Vertrag steht, kann Britscho bei der Kaderplanung schon auf ein Gerüst zurückgreifen.

„Nach dem aktuellen Stand konnten wir schon 17 Spieler für unser neues Projekt gewinnen. Das soll jetzt nach und nach fixiert“, verrät der neue Trainer. Die ersten Sondierungsgespräche hatten Sportvorstand Pozo y Tamayo sowie Jakubowski, der die Sportliche Leitung unterstützt, bereits in den vergangenen Wochen geführt. „Beide haben sehr gute Vorarbeit geleistet“, sagt Britscho, der in der kommenden Saison vorwiegend auf junge und entwicklungsfähige Spieler setzten will. „Klar ist aber, dass wir auch den einen oder anderen erfahrenen Spieler benötigen. Wir werden eine gute Balance finden.“

Der Trainer weiß jedoch auch, dass noch viel Arbeit wartet. „So ein kompletter Neuaufbau bringt natürlich mit sich, dass man mit Prognosen sehr vorsichtig sein muss“ so Britscho. „Da bitte ich auch um Geduld. Es kann erst einmal nur darum gehen, uns in der Oberliga zu etablieren. Wichtig ist mir dabei vor allem, dass die Spieler, die zu uns kommen, auch das bekommen, was ihnen zugesagt wurde.“ Das nämlich war in Wattenscheid in der jüngeren Vergangenheit längst nicht immer der Fall.

Die komplette MSPW-Story lesen Sie auf FUSSBALL.DE.

Foto-Quelle: SG Wattenscheid 09

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