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Riesenjubel: SC Verl macht erstmaligen Aufstieg in 3. Liga perfekt

Capretti-Team reicht im Rückspiel gegen 1. FC Lok Leipzig ein 1:1.
Der SC Verl wird in der kommenden Saison 2020/2021 erstmals in der Vereinsgeschichte in der eingleisigen 3. Liga an den Start gehen. Das Team von Trainer Guerino Capretti (Foto), das sich in der Regionalliga West für die Playoffs um den Aufstieg qualifiziert hatte, reichte im Rückspiel gegen den Nordost-Titelträger 1. FC Lok Leipzig in Bielefeld ein 1:1 (0:1), um nach dem 2:2 beim Hinspiel in Leipzig dank der Europapokal-Arithmetik den Aufstieg in die dritthöchste deutsche Spielklasse perfekt zu machen.

Zwar gerieten die Ostwestfalen durch ein Kopfball-Eigentor von Kapitän Julian Stöckner (45.) kurz vor der Pause 0:1 in Rückstand. Mittelfeldspieler Ron Schallenberg (73.) erzielte jedoch mit einem Flachschuss ins lange Eck den erlösenden Ausgleich.

Der 1. FC Lok Leipzig, der 2003 nach der Insolvenz seines Vorgängervereins VfB Leipzig einen Neustart in der C-Kreisliga hinlegen musste, verpasste hauchdünn die Rückkehr in den Profifußball und muss in der nächsten Saison in der Nordost-Staffel einen neuen Anlauf nehmen. Dann steigt der Meister auch direkt in die 3. Liga auf.

Aufstiegstrainer Guerino Capretti: „Sowas von verdient“

„Ich bin unheimlich stolz auf die Jungs“, schwärmte SCV-Trainer Capretti, der früher selbst sechs Jahre lang für den Verein gespielt und beim Schlusspfiff auch die eine oder andere Träne verdrückt hatte. „Am Ende war es sehr emotional. Wir lagen in den Aufstiegsspielen ständig zurück, waren fast schon raus – und sind doch immer wieder zurückgekommen. Deshalb ist der Aufstieg sowas von verdient.“

Torschütze Ron Schallenberg meinte: „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wir haben über die gesamte Saison sehr hart dafür gearbeitet. Durch unsere Erfolge im DFB-Pokal, in dem wir das Achtelfinale erreicht hatten, konnten wir viel Selbstvertrauen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Das hat uns definitiv in den Aufstiegsspielen geholfen. In der 3. Liga wartet auf den Verein jetzt jede Woche ein Highlight.“

Bei Lok Leipzigs Mittelfeldspieler Patrick Wolf war der Frust riesig. „Bei uns herrscht Enttäuschung pur“, sagte der Sohn von Trainer und Sportdirektor Wolfgang Wolf: „Es ist sehr bitter und traurig, dass wir uns nicht belohnt haben. Es tut mir für den Verein und die Fans sehr leid. In beiden Partien hatten wir nicht das Glück auf unserer Seite.“

Verl ohne Änderungen – Lok Leipzig mit Steinborn

Die Gastgeber aus Verl, die wegen des Corona-Lockdowns im heimischen Kreis Gütersloh für das Rückspiel in die Bielefelder SchücoArena ausweichen mussten, begannen exakt mit derselben Startformation wie im Hinspiel.

Lok-Trainer Wolf nahm auch nur eine Änderung vor, brachte Angreifer Matthias Steinborn für den angeschlagenen Rechtsverteidiger Robert Berger (Adduktorenprobleme). Taktisch gab es dadurch allerdings einige Umstellungen. Steinborn, der im Hinspiel als „Joker“ zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung getroffen hatte, rückte auf die linke Offensivposition. Kevin Schulze wechselte von dort auf die linke Abwehrseite, Leon Heynke wurde ins defensive Mittelfeld vorgeschoben. Für Berger übernahm Maik Salewski die Rechtsverteidiger-Position. Zumindest auf der Bank saß Niklas Brandt, der das erste Aufeinandertreffen der beiden Klubs mit Rückenbeschwerden verpasst hatte. Er wurde in der Schlussphase eingewechselt.

Wenige Torchancen – Stöckner-Eigentor zum 0:1

Die ersten Torannäherungen verzeichnete der Verler Sportclub. Die Mittelfeldspieler Mehmet Kurt mit einem Distanzschuss und Ron Schallenberg, der nach Zuspiel von Patrick Schikowski aus der Drehung abzog, verfehlten jedoch das Leipziger Gehäuse. Auf der Gegenseite warf sich Jan Schöppner bei der ersten hochkarätigen Chance der Leipziger in den 16-Meter-Schuss von Sascha Pfeffer und wurde dabei voll im Gesicht getroffen.

Insgesamt blieben gute Tormöglichkeiten auf beiden Seiten lange Zeit Mangelware. Kurz vor der Pause konnten sich jedoch die robusten und kampfstarken Sachsen besser in Szene setzen. Vor allem zwei Kopfbälle der Lok-Innenverteidiger David Urban und Robert Zickert, jeweils nach Standardsituationen, sorgten für Gefahr. Einmal musste Verls Schlussmann Robin Brüseke mit einer Glanzparade klären.

Machtlos war der Torhüter der Ostwestfalen dann allerdings, als sein Kapitän Julian Stöckner eine Rechtsflanke von Salewski per Kopf unhaltbar ins eigene Tor verlängerte – 0:1 (45.). Unmittelbar zuvor war auf der Gegenseite Verls Abwehrspieler Yannick Langesberg ebenfalls mit einem Kopfball nur knapp gescheitert. Der folgende Leipziger Konter saß.

Schiedsrichter Aarnink verletzt – Bokop springt ein

Beide Teams kamen unverändert aus den Kabinen, hoben sich alle Wechseloptionen für den weiteren Spielverlauf auf. Einen Wechsel gab es dafür auf der Position des Unparteiischen. Schiedsrichter Arne Aarnink (Nordhorn) konnte wegen einer muskulären Verletzung in der rechten Wade nicht weitermachen. Für ihn übernahm nach einer rund achtminütigen Unterbrechung Franz Bokop (Vechta), der zuvor als Vierter Offizieller im Einsatz war.

Die erste gute Chance zum Ausgleich hatte Verls Außenstürmer Aygün Yildirim, dessen Nachschuss von der Strafraumgrenze knapp am Leipziger Kasten vorbeistrich. Insgesamt gelang es den Gästen jedoch über weite Strecken der zweiten Halbzeit sehr gut, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten.

Schallenberg-Schuss durch Janjics Beine

Der letztlich entscheidende Ausgleich durch Ron Schallenberg, Leihgabe vom Bundesligaabsteiger SC Paderborn 07, fiel zumindest zu diesem Zeitpunkt dann auch recht überraschend. Patrick Schikowskis Hereingabe von der rechten Seite nahm Schallenberg direkt ab. Weil der Ball genau durch die Beine von SCV-Torjäger Zlatko Janjic flog, konnte Lok-Torhüter Fabian Guderitz nicht mehr rechtzeitig reagieren – 1:1 (73.).

Zu Beginn der insgesamt 13-minütigen Nachspielzeit hatte der eingewechselte Matthias Haeder sogar noch den Siegtreffer für den SC Verl auf dem Fuß. Sein leicht abgefälschter Schuss verfehlte das Tor nur knapp. Auch ein Lupfer von Haeder fand sein Ziel nicht. Die letzte Chance, die Leipziger noch in die 3. Liga zu befördern, vergab der ebenfalls eingewechselte Romarjo Hajrulla, der einen Kopfball zu hoch ansetzte.

Beim Abpfiff kannte der Jubel beim SC Verl keine Grenzen. Innerhalb weniger Minuten hatten alle Spieler, Trainer und Betreuer T-Shirts mit der Aufschrift „Sportclub goes 3. Liga“ an. Die Leipziger waren dagegen tief enttäuscht, zumal sie in beiden Aufstiegsspielen jeweils Führungen aus der Hand gegeben hatten.

Besonders bitter: Auch im 15. Spiel unter der Regie von Trainer und Sportdirektor Wolfgang Wolf blieben die Blau-Gelben ohne Niederlage. Der Traum vom Aufstieg in die 3. Liga erfüllte sich dennoch nicht.

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