Startseite / Fußball / Faktencheck: Rot-Weiss Essen gegen Borussia Dortmund U 23

Faktencheck: Rot-Weiss Essen gegen Borussia Dortmund U 23

Vor dem Top-Spiel am Mittwoch, 19.30 Uhr, an der Hafenstraße.


Spitzenspiel unter Flutlicht: In der Regionalliga West stehen sich am Mittwoch (ab 19.30 Uhr) mit dem Tabellenzweiten Rot-Weiss Essen und Ligaprimus Borussia Dortmund U 23 die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Aufstieg in die 3. Liga gegenüber. Vor dem direkten Duell trennen beide Teams nur vier Punkte. RWE hat außerdem noch eine Partie weniger bestritten. Wir machen für FUSSBALL.DE den Faktencheck.

Der Saisonverlauf: 391 Tage – so lange blieb Rot-Weiss Essen in der Regionalliga West zwischenzeitlich unbesiegt. Nach dem 0:2 am 1. Februar 2020 gegen den späteren Staffelsieger SV Rödinghausen sammelten die Essener zunächst noch zehn von zwölf möglichen Zählern, ehe die Saison 2019/2020 wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendet werden musste. Die gute Ausbeute setzte der ehemalige Bundesligist auch in der Spielzeit 2020/2021 fort. Aus den ersten 22 Ligapartien holte RWE beeindruckende 16 Siege und sechs Remis. Im DFB-Pokal überraschte der Traditionsverein die höherklassigen Gegner Arminia Bielefeld (1:0), Fortuna Düsseldorf (3:2) und Bayer 04 Leverkusen (2:1 nach Verlängerung) und scheiterte erst im Viertelfinale an Holstein Kiel (0:3). Nach den ersten beiden Niederlagen in der Liga (0:3 bei Fortuna Düsseldorfs U 23 und zuletzt 0:1 beim SC Preußen Münster) beträgt der Rückstand auf die U 23 von Borussia Dortmund vier Punkte, bei allerdings einem Spiel weniger. Auch die Konstanz des BVB ist beeindruckend. In bisher 26 Partien ging der Spitzenreiter nur am 17. Spieltag gegen den SV Rödinghausen (1:2) leer aus. In den elf Auswärtsspielen blieb Dortmund ohne Niederlage und ging dabei gleich neunmal als Sieger hervor. Ähnlich stark ist die Heimbilanz von RWE mit einem Remis und zuletzt elf Siegen aus zwölf Begegnungen (34 Zähler). Das beste Heimteam empfängt an der Hafenstraße die erfolgreichste Auswärtsmannschaft. Die stabilste Abwehr (RWE mit nur 16 Gegentoren) trifft auf die gefährlichste Offensive der Liga (BVB mit 67 Treffern).

Die Trainer: Sieben Jahre war Christian Neidhart als Trainer beim SV Meppen tätig. Seinen Vertrag bei den Emsländern, die er in die 3. Liga führte und dort etablierte, löste der 52-Jährige für seinen Wechsel in die Regionalliga West zu Rot-Weiss Essen vor dieser Spielzeit auf. Eine weitere Trainerstation des in Braunschweig geborenen Ex-Zweitligaprofis (68 Partien für Eintracht Braunschweig und den VfL Osnabrück) war der SV Wilhelmshaven (Juli 2010 bis Juni 2013). Sohn Nico Neidhart (aktuell Hansa Rostock) ist ebenfalls Fußballprofi. Auch bei der U 23 von Borussia Dortmund steht mit Enrico Maaßen seit Saisonbeginn ein neuer Cheftrainer an der Seitenlinie. In seinen vier Jahren bei der SV Drochtersen/Assel (Juli 2014 bis Juni 2018) führte der 37-Jährige den Nord-Regionalligisten zweimal in den DFB-Pokal. Den SV Rödinghausen (Juli 2018 bis Juni 2020) formte er in der Regionalliga West zu einer Spitzenmannschaft, die im zurückliegenden Sommer Staffelsieger wurde. Da der Verein aus dem Kreis Herford jedoch auf einen Zulassungsantrag zur 3. Liga beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und damit auf den Aufstieg in die 3. Liga verzichtete, verständigte sich „Enno“ Maaßen mit dem SVR auf eine vorzeitige Vertragsauflösung. In Dortmund trat der Fußball-Lehrer die Nachfolge von Mike Tullberg (jetzt U 19-Trainer) an.

Die Historie: Deutscher Meister 1955, DFB-Pokalsieger 1953 sowie insgesamt sieben Spielzeiten in der Bundesliga: Die Historie von Rot-Weiss Essen im höherklassigen Fußball ist lang. Auch in der Regionalliga West ziehen die Rot-Weissen viel Interesse auf sich. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie strömten im Schnitt fast 11.000 Zuschauer*innen zu den Heimspielen an der Hafenstraße. Schon seit 2011 kicken die Rot-Weissen jetzt ununterbrochen in der viertklassigen West-Staffel. Über viele Jahrzehnte waren die Essener für ihr ständiges Auf und Ab als „Fahrstuhlmannschaft“ bekannt – erst zwischen der 1. und 2. Liga, später zwischen der zweit- und der dritthöchsten Spielklasse. Dorthin will RWE jetzt zurück. Für die Essener wäre die Teilnahme an der zur Saison 2008/2009 eingeführten 3. Liga eine Premiere.

Die Dortmunder durften dagegen bereits vier Spielzeiten lang Drittliga-Luft schnuppern. Die erste Saison in Liga drei unter dem damaligen U 23-Trainer Theo Schneider verlief nicht sonderlich erfolgreich. Nach der Spielzeit 2009/2010, in der die Schwarz-Gelben mit 39 Punkten Rang 18 belegten, ging es direkt wieder runter in die Regionalliga West. Zwei Jahre benötigten die Dortmunder, um mit ihrer zweiten Mannschaft in die 3. Liga zurückzukehren. Unter der Regie von Trainer David Wagner (zuletzt Cheftrainer beim FC Schalke 04) gelang in der Spielzeit 2011/2012 der Meistertitel in der Regionalliga West und der Aufstieg. Im Anschluss stand zweimal – wenn auch knapp (Plätze 16 und 14) – der Klassenverbleib zu Buche. Die Spielzeit 2014/2015 schloss die BVB-Reserve jedoch auf Abstiegsrang 18 ab. Seitdem – also seit fast sechs Jahren – geht die zweite Mannschaft der Westfalen wieder in der Regionalliga West an den Start.

Die direkten Duelle: Rot-Weiss Essen und die U 23 von Borussia Dortmund stehen sich am Mittwoch bereits zum 26. Mal in einem Pflichtspiel gegenüber. Bei einem nahezu ausgeglichenen Torverhältnis von insgesamt 28:27 gingen die Essener in acht Fällen als Gewinner hervor, lediglich vier Duelle konnten die Dortmunder für sich entscheiden. Kurios: Gleich 13 Vergleiche, also mehr als die Hälfte, endeten ohne Sieger. So war es auch beim Hinspiel in Dortmund. BVB-Mittelfeldspieler Taylan Duman (70.) verwandelte zunächst einen Freistoß zur Führung der Gastgeber. In der Nachspielzeit fälschte Henri Weigelt (90.+3) einen Schuss des Esseners Felix Backszat mit dem Kopf ins eigene Tor ab.

Die Torjäger: Das Duell des Zweiten gegen den Ersten ist nicht nur das Aufeinandertreffen der beiden derzeit besten Mannschaften in der Regionalliga West. Auch die erfolgreichsten Torschützen werden auf dem Feld stehen. Rot-Weiss Essens Simon Engelmann führt mit 20 Treffern die Torschützenliste an. Nach den Spielzeiten 2018/2019 (19 Treffer) und 2019/2020 (26 Treffer), jeweils im Trikot des SV Rödinghausen unter der Regie des jetzigen BVB-Trainers Enrico Maaßen, könnte der 31-Jährige also zum dritten Mal in Folge Torschützenkönig werden. Der in Vechta geborene Angreifer hat in seiner Karriere bislang noch nicht höher als in der Regionalliga gespielt (305 Einsätze, 140 Tore). BVB-Kapitän Steffen Tigges belegt gleichauf mit Serhat Koruk vom SV Bergisch Gladbach 09 (jeweils 16 Treffer) Platz zwei der Torjägerliste. Mit einem seiner Topspieler kann BVB-Trainer Maaßen seit einiger Zeit allerdings nicht mehr uneingeschränkt planen. Grund: Tigges wurde beim BVB wegen seiner starken Leistungen mit einem Lizenzspielervertrag bis zum 30. Juni 2024 ausgestattet. Der 22 Jahre alte Torjäger kommt inzwischen für die BVB-Profis auch schon auf fünf Bundesliga-Einsätze und eine Partie im DFB-Pokal. Zuletzt war er aber wieder für die U 23 am Ball und dürfte auch an der Hafenstraße zum Aufgebot gehören.

Die Stimmen: „Es treffen zwei Topmannschaften aufeinander, wir wollen das Duell für uns entscheiden“, sagt RWE-Trainer Christian Neidhart (auf dem Foto links) im Gespräch mit MSPW und FUSSBALL.DE . „Wir haben den Aufstieg nach wie vor selbst in der Hand und müssen nur auf uns schauen. Grundsätzlich spielt es zum jetzigen Zeitpunkt keine entscheidende Rolle, wer auf Platz eins oder zwei steht. Erst am Saisonende gilt es. Dann wollen wir Erster sein.“ Enrico Maaßen (rechts), Cheftrainer der Dortmunder U 23, betont gegenüber MSPW und FUSSBALL.DE : „RWE verfügt über viel Erfahrung und ist individuell stark besetzt. Wir treffen auf eine abgezockte Männertruppe. Uns ist bewusst, dass gegen RWE die wahrscheinlich beste Leistung der Saison notwendig sein wird. Wir wollen aber auch in Essen unsere Spielweise durchdrücken. Durch den tabellarischen Rückstand muss RWE die Partie gewinnen, um sich in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. Ich erwarte einen Abnutzungskampf.“

Den kompletten Faktencheck findet Ihr auch auf FUSSBALL.DE.

Das könnte Sie interessieren:

Schalker Torwart-Legende Norbert Nigbur jetzt 73 Jahre

Gebürtiger Gelsenkirchener, Weltmeister und Trabrennsport-Freund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.