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Amateurfußball formuliert Erwartung an die künftige DFB-Spitze

Rund 8.000 Personen hatten an einer Umfrage teilgenommen.
Das Amateurfußball-Barometer hat klare Erwartungen an die künftige Spitze des Deutschen Fußball-Bundes und seine Mitgliedsverbände formuliert. Die größten Wünsche lauten: Glaubwürdigkeit und Transparenz. Stärkung des Amateurfußballs und seiner Nachwuchsbereiche. Digitalisierung und Weiterentwicklung von Verwaltungsprozessen und Qualifizierungsmaßnahmen. Unterstützung der Basis bei der zukunftsfähigen Vereinsentwicklung. Einsatz für die Aufwertung des Ehrenamts und seiner Rahmenbedingungen.

Rund 8.000 Personen aus dem Amateurfußball haben in den vergangenen beiden Wochen an der Umfrage teilgenommen, die sich in drei Themenblöcke teilte. Neben den Erwartungen an die Verbände ging es um die Herausforderungen und Chancen der Vereine für die Zukunft sowie deren aktuelle Situation nach zwei Jahren Pandemie.

Mehr als 50 Prozent der Befragten üben eine ehrenamtliche Tätigkeit in ihrem Verein aus, größtenteils im Vorstand. 42 Prozent der Teilnehmer*innen sind Trainer*innen, 35 Prozent spielen derzeit aktiv Fußball. 11 Prozent sind Schiedsrichter*innen. Entsprechend valide sind die erhobenen Ergebnisse.

Die Wünsche und Erwartungen an die Verbände

Bei der Frage nach den wichtigsten gesellschaftlichen Aufgabenstellungen für die neue DFB-Führung werden Glaubwürdigkeit und Transparenz von 97 Prozent der Umfrage-Teilnehmer*innen genannt. Die Verkörperung von Werten wie Toleranz, Fairplay, Solidarität und Teamgeist beurteilen 95 Prozent als wichtig bis sehr wichtig, 85 Prozent die Verbesserung des DFB-Images.

Noch klarer fällt das Votum des Barometers im sportlichen Bereich aus: 99 Prozent räumen der Stärkung des Amateurfußballs sowie des Kinder- und Jugendfußballs höchste Priorität für die Verbände ein. Im organisatorischen Bereich ist der Wunsch nach Unterstützung der Klubs zur zukunftsfähigen Vereinsentwicklung am stärksten ausgeprägt (97 Prozent). Rund 88 Prozent halten eine klare Vision des DFB für wichtig bis sehr wichtig. 80 Prozent regen mögliche Strukturreformen im DFB und seinen Landesverbänden an.

Bei den aktuellen Maßnahmen des DFB und seiner Landesverbände steht im sportlich-organisatorischen Bereich die Digitalisierung im Fokus. 81 Prozent nennen hierbei die Modernisierung von Vereinsverwaltungsprozessen, 70 Prozent die Digitalisierung und Weiterentwicklung von Qualifizierungsangeboten. 69 Prozent halten eine Flexibilisierung des Spielbetriebs für wichtig bis sehr wichtig.

Politisch und gesellschaftlich sehen 92 Prozent die Aufwertung des Ehrenamts und die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen als vorrangigstes Ziel. 84 Prozent stufen die Lobbyarbeit zur Sicherstellung von angemessenen Sportstätten als wichtig bis sehr wichtig für die Verbände ein, 81 Prozent Maßnahmen zu Gewaltprävention und Kinderschutz.

Die größten Herausforderungen und Chancen für die Vereine

Mit Blick auf den eigenen Verein sehen 83 Prozent der Befragten die Gewinnung und Bindung von Trainer*innen als größte sportliche Herausforderung für die Zukunft. Die Gewinnung und Bindung von Spieler*innen – insbesondere im Jugendfußball – sowie von Schiedsrichter*innen nennen jeweils 70 Prozent.

Im organisatorischen und wirtschaftlichen Bereich ist die Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Vereinsmitarbeiter*innen für 80 Prozent das Thema Nummer eins. Mit deutlichem Abstand folgen die Akquise und Bindung von Vereinsmitgliedern (53 Prozent) sowie mangelnde Unterstützung aus Politik und Verwaltung (51 Prozent).

Häufigste Maßnahme in den Amateurvereinen zur Gewinnung und Bindung von Vereinsmitarbeiter*innen ist gemäß des Amateurfußball-Barometers die Kostenübernahme für Qualifizierungsmaßnahmen. Diese wird von 59 Prozent der Teilnehmer*innen genannt. Darüber hinaus setzen 55 Prozent auf eine gezielte Ansprache potenzieller Mitarbeiter*innen und Helfer*innen.

In Bezug auf laufende Maßnahmen zur zukunftsfähigen Vereinsentwicklung geben 57 Prozent an, dass ihr Klub die Nachwuchsarbeit verstärkt. 37 Prozent haben die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut, 35 Prozent die Kooperation mit Schulen und Kitas. Ebenfalls 35 Prozent arbeiten an einem strategischen Konzept.

In der Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas sehen 44 Prozent der Befragten gleichzeitig große Potenziale und Chancen für die Zukunft ihres Vereins. Höher gewichtet wird im Rahmen dieser Fragestellung nur die Qualifizierung von Trainer*innen mit 59 Prozent.

Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit den Forderungen des DFB-Bundesjugendtages 2022. Die Delegierten hatten sich dort vor wenigen Wochen mit einem eindringlichen Appell für mehr Sportunterricht an Schulen, mehr Anerkennung für den Breitensport und seine Ehrenamtlichen, mehr Rechte für Kinder und Jugendliche sowie weniger Bürokratie für die Vereine in der Nachwuchsarbeit an Politik und Gesellschaft gewendet.

Wie geht es den Vereinen in der Pandemie?

Seit zwei Jahren begleitet und beeinflusst die Corona-Pandemie das Leben, die Gesellschaft, den Sport. Die Treue zum eigenen Fußballverein ist dennoch weiterhin groß. 73 Prozent fühlen sich gemäß Amateurfußball-Barometer ihrem Verein unverändert stark verbunden, weitere zehn Prozent sogar stärker als vor der Pandemie. Bei 17 Prozent hat die Bindung nachgelassen.

Die Umfrage macht darüber hinaus deutlich, dass Zuschauer*innen bei Spielen für den Amateurfußball ein essenzielles Element sind. Jeweils mehr als 90 Prozent halten sie im Spielbetrieb der Männer, Frauen und Jugend für wichtig bis sehr wichtig. Im Kinderbereich sind es 88 Prozent.

92 Prozent der Vereine wenden laut Amateurfußball-Barometer ein festes Hygienekonzept an, fünf Prozent der Befragten wissen es nicht. Der Wert ist im Vergleich zum März 2021 stabil (94 Prozent), damals war im Rahmen einer DFB-Umfrage die gleiche Frage gestellt worden. 63 Prozent empfinden die Umsetzung der Hygienekonzepte als wenig bis gar nicht belastend, ebenfalls ein ähnlicher Wert wie vor einem Jahr (64 Prozent).

Eine spürbare finanzielle Belastung durch die Pandemie sehen für ihren Verein aktuell 46 Prozent der Teilnehmer*innen, neun Prozent identifizieren eine existenzbedrohende Belastung. Am stärksten fehlen aus Sicht von 87 Prozent der Befragten Einnahmen aus Vereinsveranstaltungen und dem Spielbetrieb. 15 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Verein Corona-Fördermittel erhalten hat.

Das ist das Amateurfußball-Barometer

Das Amateurfußball-Barometer ist im Oktober 2021 vom DFB und seinen Landesverbänden ins Leben gerufen worden, sie folgten damit einer Handlungsempfehlung des vorangegangenen Amateurfußball-Kongresses. Angesprochen sind vor allem diejenigen, die sich in Fußballvereinen und -abteilungen engagieren – von Vorsitzenden über Schatzmeister*innen bis hin zu Jugendleiter*innen, Trainer*innen, Spieler*innen oder auch Eltern von Nachwuchsspieler*innen.

Rund 17.000 Personen haben sich bisher im Barometer registriert, um regelmäßig an den Umfragen zu den wichtigen Themen des Amateurfußballs teilzunehmen.

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