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Traben Berlin: „Kronen“ für Jorma Kontio und Michael Nimczyk

Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Pferde zum Auftakt des BC-Meetings.
Es ist der zweite große Saison-Höhepunkt auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf neben dem Derby. Und es muss sich auch von der Qualität her keinesfalls vor dem höchstdotierten Ereignis der Republik zu verstecken. Gleich am ersten Tag des „Züchter-Krone“ (Breeders Crown)-Meetings wurde mit der Teilnahme eines der prominentesten Sulkyfahrer aller Zeiten eindrucksvoll unterstrichen, welchen Stellenwert das Event besitzt.

Der hinter Heinz Wewering in der ewigen europäischen Bestenliste mit weit mehr als 11.000 Siegen auf dem zweiten Rang liegende Jorma Kontio hatte die Hauptstadt aufgesucht und dem Veranstalter damit eine große Ehre erwiesen. Die finnische Legende handelte getreu nach dem Motto „veni, vidi, vici“ und führte Hidalgo Heldia im inklusive der Züchterprämie mit mehr als 55.000 Euro dotierten Hauptlauf der fünf- bis siebenjährigen Hengste und Wallache als 60:10-Chance zu einem sensationellen Sieg.

Jorma Kontios einzige Fahrt an diesem Tag wurde zu einer Demonstration seiner fahrerischen und taktischen Weltklasse. Kontio setzte sich schon in der Startphase mit dem von Conrad Lugauer in Schweden trainierten Raja Mirchi-Sohn durch, hielt das Tempo über den gesamten Weg extrem hoch und ließ bis ins Ziel nichts mehr anbrennen. Die Uhren blieben auf der 1.900-Meter-Mitteldistanz bei 1:10,8 Minuten für den durchschnittlichen Kilometer stehen, was die Einstellung des im September 2020 von Ids Boko aufgestellten deutschen Rekordes bedeutete. Und auch die auf der fast 300 Meter kürzeren Meile erzielte Mariendorfer All-Time-Bestmarke von 1:10,6 Minuten verfehlte Hidalgo Heldia nur um zwei Zehntelsekunden.

Das Ganze geschah scheinbar völlig ohne Anstrengung – Jorma Kontio musste seinen mit einer Quote von 60:10 am Toto nur an fünfter Stelle rangierenden Schützling lediglich ein wenig bei Laune halten und gewann sehr sicher. Nur Toto Barosso (Jörgen Sjunnesson), der auf den finalen 200 Metern eine mächtige Geschwindigkeit entwickelte, strahlte noch Gefahr aus und kam bis auf eine halbe Länge heran. Zum drittplatzierten Keytothehill (Jaap van Rijn), der dennoch keineswegs enttäuschte, klaffte dagegen schon eine deutliche Lücke.

Regelrecht dramatisch verlief der identisch dotierte Hauptlauf der Stuten, denn am Ende stürmten vier Pferde unter dem Richterspruch „Hals – Hals – halbe Länge“ äußerst knapp voneinander getrennt über die Ziellinie. Aber nur eine dieser vier Stuten konnte in den Winner Circle einziehen und deren Name lautete Kyriad Newport. Zwei Jahre nach ihrem Stutenderby-Sieg gelang der wie stets vom deutschen Berufsfahrer-Champion Michael Nimczyk (Foto) aus Willich begleiteten und für die Farben von Karin Walter-Mommert (Brammer/Berlin) laufenden Braunen ein weiterer hochrangiger Erfolg.

Zunächst drohte für die eher verhalten gestartete Explosive Matter-Tochter die „Todesspur“, doch ab der Gegenseite übernahm stattdessen die tapfere und mit dem dritten Platz belohnten Pastors Girl (Robbin Bot) die Rolle der ersten Angreiferin. In deren Windschatten fand die bei 27:10 gehandelte Kyriad Newport alles passend vor. Sie musste unter heftiger Unterstützung aber dennoch bis zum Zielpfosten alles geben, denn auch ihre knapp geschlagenen Gegner verdienten sich ein dickes Kompliment. Die anfangs nur an sechster Position auszumachende Jamaica Ferro (Robin Bakker) entwickelte ebenso wie die Siegerin höllischen Speed und ergatterte das zweite Geld. Knapp hinter Pastors Girl verkaufte sich auch Velten Isabel (Jouni Nummi) als Vierte überaus teuer. Und wer weiß, was für die sechstplatzierte Namanga Bo (Rudolf Haller) drin gewesen wäre, hätte sie nur etwas Freiraum gefunden. Die Stute saß im Finish an der Innenkante hoffnungslos fest.

Entlastungsläufe stocken Gesamtpreisgeld auf rund 120.000 Euro auf

Nicht weniger als fünf Entlastungsläufe für die Fünf- bis Siebenjährigen – drei für Hengste und Wallache und zwei für Stuten – stockten das ausgeschüttete Gesamtpreisgeld der Veranstaltung in Höhe von rund 120.000 Euro noch einmal um gut 47.000 Euro auf. Als echtes „Dream Team“ erwiesen sich dabei einmal mehr der Niederländer Jaap van Rijn und Chimichurri. Der amtierende niederländische Champion steuerte den Fuchswallach sofort in Front – und das war es dann auch schon. Chimichurri ließ den von Anfang an hinter ihm platzierten Dan CG (Alexander Kelm) und Otero (Erwin Bot) keine Chance.

Gleich im Anschluss legte Michael Nimczyk mit Jacy di Quattro sogar noch eine Schippe drauf, denn der Sieg der Stute war unglaublich imponierend. Die 13:10-Favoritin stürmte im ersten Bogen an die Spitze und verabschiedete sich nach unterwegs etwas gedrosselter Fahrt in überlegener Manier von Cateleya (Stefan Hiendlmeier) sowie Donato Princess (Robin Bakker).

Mächtig spannend ging es eine knappe halbe Stunde später bei dem eine Runde währenden Duell von Purple Rain mit Jaap van Rijn und Ito (Victor Gentz) zu. Purple Rain hatte nach einem kurzen Abtasten mit dem am Ende drittplatzierten Rolfi (Thomas Panschow) frühzeitig das Kommando übernommen und gab es gegen den vor den Tribünen kraftvoll aufgerückten Ito einfach nicht ab. Ganz im Gegenteil – Purple Rain setzte sich auf der Zielgeraden sogar sehr sicher mit eineinhalb Längen Vorsprung von Ito ab.

Wenig später wurde der Schwede Jörgen Sjunnesson einmal mehr seinem Ruf als begnadeten Catchfahrer gerecht. Mit Afillycalledlilly hielt er sich bis weit in den Schlussbogen hinein aus allem heraus. Als er ihr dann das entscheidende Zeichen gab, flog die Stute im Rush an ihren Konkurrentinnen vorbei und überließ Castanea (Thomas Panschow) sowie Its Showtime nur die Plätze zwei und drei. Deren Fahrer und Trainer Tim Schwarma (Weeze) ließ es dafür aber in der fünften Entlastung richtig knallen. Denn mit dem Start-Ziel auftrumpfenden 166:10-Außenseiter Julnick Shark sorgte der Profi maßgeblich dafür, dass der erste Rang der V7+ Wette nicht getroffen wurde und ein Jackpot in Höhe von 11.270 Euro entstand.

Bei insgesamt elf Prüfungen verzeichnete der Rennveranstalter einen Wettumsatz von 208.204 Euro. Das entspricht einem Schnitt von 18.927 Euro pro Rennen. Davon wurden 79.441 Euro (Schnitt 7.221 Euro) auf der Rennbahn selbst gewettet.

Foto-Quelle: Marius Schwarz/Trabrennverein Berlin-Mariendorf

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