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Rot-Weiss Essen: Sportdirektor Jörn Nowak bezieht Stellung

35-Jähriger äußert sich im kicker-Interview zum Stand der Kaderplanung.
Der Traditionsverein Rot-Weiss Essen steht vor seiner elften Saison in Serie in der Regionalliga West. Selbst 90 Punkte und 18 Siege in 20 Heimspielen (bei zwei Remis) reichten nicht für den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga. Für den nächsten Anlauf stellt RWE-Sportdirektor Jörn Nowak (Foto/35) aktuell den Kader zusammen. Dabei gibt es jede Menge „Bewegung“ im Aufgebot. Im kicker-Interview bezieht Nowak Stellung.

Mal Hand aufs Herz: Ist die Saison 2020/2021 jetzt endgültig abgehakt, Herr Nowak?
Zugegeben: Die Trauer über die verpasste Chance ist noch spürbar. Wir mussten uns aber damit abfinden, dass es ganz knapp nicht gereicht hat. Der Blick geht jetzt klar nach vorne. Da wir uns schon mitten in der Kaderplanung befinden, blieb auch gar nicht so viel Zeit, sich noch mit der Vergangenheit zu beschäftigen.

Dennoch werden Sie die abgelaufene Spielzeit analysiert haben. Welche Prozentpunkte haben schließlich gefehlt, um sich im Titelkampf mit der U 23 von Borussia Dortmund durchzusetzen?
Mit 50 Zählern haben wir eine überragende Hinserie gespielt, im Schnitt 2,5 Punkte pro Spiel geholt. Bis dahin lief fast alles optimal. Hinzu kamen noch die Erfolge im DFB-Pokal. Wir müssen aber auch so ehrlich sein, dass wir in der Rückserie auswärts zu viele Chancen ausgelassen und zu viele Punkte abgegeben haben. Da hat uns die Effektivität, allerdings phasenweise auch die Mentalität gefehlt, um uns auch auf teilweise schlechten Plätzen durchzusetzen. Im letzten Viertel der Saison haben wir das wieder besser hinbekommen, wie sieben Siege aus den abschließenden acht Partien belegen. Leider hat das nicht gereicht.

Dennoch kommt der große Umbruch im Kader, der sich bei mittlerweile schon 14 feststehenden Abgängen abzeichnet, recht überraschend. Warum ist diese hohe Fluktuation notwendig?
Eines vorweg: Noch während der Winterpause war das in dieser Form sicherlich nicht geplant. Da dachten wir eher an moderate Veränderungen und punktuelle Verstärkungen. Es hat sich aber so entwickelt. Es hat sich im Laufe der letzten Monate herausgestellt, dass wir in der zweiten Reihe zu viele Spieler hatten, die sich selbst als Stammkräfte sehen und deshalb mit ihrer Situation und ihren geringen Einsatzzeiten nicht einverstanden waren. Auf der anderen Seite waren auch wir mit der Entwicklung einiger Spieler nicht zufrieden. Das hat in erster Linie für einen Großteil der Abgänge gesorgt.

War der Kader mit 27 Spielern zu groß?
Im Nachhinein kann man das so sehen, ja. Aber hätten wir vorher wissen können, dass wir bei 50 Pflichtspielen fast ohne schwerwiegende Verletzungen durchkommen? Dieses Risiko war uns zu groß. Für die neue Saison werden wir den Kader allerdings definitiv verkleinern. Wir planen mit drei Torhütern sowie 20 oder 21 Feldspielern.

Nach dem letzten Saisonspiel beim FC Wegberg-Beeck sprach Trainer Christian Neidhart vor den mitgereisten Fans von einem „geilen Fundament“ für die nächste Saison. Gilt das auch nach so vielen Abgängen noch?
Selbstverständlich. Ich sehe es so: Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist es uns gelungen, die Stammformation der letzten Monate und Wochen weiter an den Verein zu binden. Von daher steht die Aussage. Unseren bisherigen Kapitän Marco Kehl-Gomez oder Kevin Grund hätten wir uns sicherlich auch noch gut in unserem Kader vorstellen können. Sie haben sich aber anders entschieden. Wir sind zuversichtlich, diese Lücken sehr gut schließen zu können.

Sechs externe Zugänge stehen bislang fest. Flügelstürmer Kevin Holzweiler, Innenverteidiger Yannick Langesberg, Mittelfeldspieler Luca Dürholtz und Torhüter Raphael Koczor, der allerdings als „Nummer Drei“ eingeplant ist, bringen Erfahrung aus der 3. Liga mit. Auf welchen Positionen muss RWE noch tätig werden?
Es ist kein Geheimnis, dass wir nach aktuellem Stand noch einen Linksverteidiger, einen Sechser, einen variablen Offensivspieler und eine zentrale Spitze suchen. Derzeit verfolgen wir einige sehr spannende Personalien – auch mit Blick auf U 23-Spieler, von denen uns noch der eine oder andere gut zu Gesicht stehen würde. Sollten sich diese Transfers umsetzen lassen, dann wären wir schon zum Trainingsstart Anfang Juli sehr gut aufgestellt.

Simon Engelmann gilt im Sturmzentrum als gesetzt. Bleibt das so?
Wenn es in dieser Liga einen Stürmer mit eingebauter Torgarantie gibt, dann ist es Engel. Ich wüsste nicht, warum sich das ändern sollte. Er hat über viele Jahre nachgewiesen, dass er immer mindestens für 15 bis 20 Treffer gut ist. Diesmal waren es bei der Vielzahl an Spielen sogar 29. Und das, obwohl er am Ende – wie viele andere Spieler auch – nach diesem Mammutprogramm auf dem Zahnfleisch ging. Trotzdem muss auch Engel bereit sein, den Meter mehr zu machen und alles zu investieren, damit wir – und auch er persönlich – endlich diese Liga verlassen. Personell wollen wir für den Angriff noch einen Spieler finden, der gut zu Engel passen könnte. Wir möchten noch variabler werden und zum Beispiel auch mal mit zwei Spitzen spielen, die sich gegenseitig gut ergänzen.

Zum wiederholten Mal wird RWE als gejagtes Team in die Saison starten, oder?
Es ist davon auszugehen, dass uns die Konkurrenz wieder die Favoritenrolle zuschieben wird. Damit müssen und können wir leben. Ich erwarte jedoch eine wesentlich breitere Spitzengruppe, als es diesmal der Fall war.

Welche Vereine werden denn die größten Konkurrenten sein?
Für eine exakte Prognose ist es noch deutlich zu früh. Allerdings werte ich den Verlauf der Rückrunde schon als einen Fingerzeig. Der SC Preußen Münster, der Wuppertaler SV und RWO waren sehr stark. Fortuna Köln hat mit einigen Transfers für Aufsehen gesorgt. Viele Traditionsklubs haben ähnliche Ambitionen wie wir.

Das Saisonziel, im eigenen Stadion eine Macht zu sein, wurde mit 56 von 60 möglichen Punkten definitiv erreicht. Lässt sich das wiederholen?
Es ist auf jeden Fall unser Anspruch, an der Hafenstraße zumindest ähnlich erfolgreich zu sein – erst recht mit unseren Fans im Rücken. Besonders in den Heimspielen hat unser Team bewiesen, wie wichtig es ist, gerade in schwierigen Situationen die nötige Ruhe und Geduld zu bewahren. Nur so konnten wir viele enge Spiele auf unsere Seite ziehen. Daran gilt es, in der neuen Saison anzuknüpfen. Das wäre eine gute Basis.

Interview: Ralf Debat/MSPW

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