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Aufstieg von Rot-Weiss Essen: „Schlafender Rieser ist erwacht“

Aufsteiger kalkuliert mit einem Schnitt von 13.000 Zuschauern.


Ausnahmezustand an der Hafenstraße und in der gesamten Stadt nach dem ersehnten Aufstieg des Traditionsklubs Rot-Weiss Essen in die 3. Liga: Mehr als 16.500 Anhänger bejubelten die Mannschaft im Stadion und stürmten den Platz, rund 3.000 Anhänger zogen in einem (weitgehend) friedlichen Fanmarsch durch die Innenstadt, bis tief in die Nacht wurde gefeiert.

„Der schlafende Riese ist erwacht“, schwärmte RWE-Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig nach dem erlösenden 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen Rot Weiss Ahlen im kicker- und MSPW-Gespräch, dachte aber auch gleich an den hauchdünn unterlegenen Titelkonkurrenten. „Großer Respekt an den SC Preußen Münster, mit dem wir uns einen epischen Kampf geliefert haben, den die Regionalliga West in dieser Form noch nicht erlebt hatte“, so Uhlig. „Trotz aller Widrigkeiten: Das war großer Sport und eine absolute Werbung für die Liga.“

Nach Übergabe des Meisterpokals und der Medaillen durch den WDFV-Präsidenten und DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth (Düsseldorf), der von einer Ehrungsdelegation des Verbandes begleitet wurde, brachen aber nicht nur bei den RWE-Fans, sondern auch bei den Spielern alle Dämme. Die Aufstiegshelden hatten sich bei der Siegerehrung bereits das Meister-Shirt („Liga drei – Essen ist dabei“) übergestreift und ließen es mächtig krachen.

„Das ist der Höhepunkt meiner Karriere“, war nicht nur Flügelstürmer Oguzhan Kefkir, der bereits mit dem KFC Uerdingen 05 einen Drittliga-Aufstieg gefeiert hatte, völlig euphorisch. „Ein Aufstieg mit RWE ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer“, so der Dribbelkünstler, der gegen Ahlen an beiden Treffern entscheidend beteiligt war. „Ich freue mich auf die 3. Liga und die Feierlichkeiten, die voraussichtlich mit einer verlorenen Stimme enden werden“, konnte sich „Ötzi“ ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nach der Party in Essen wird ein Großteil des Teams von heute bis Mittwoch auf der spanischen Sonneninsel Mallorca noch die „dritte Halbzeit“ feiern.

Beim Blick nach vorne dürfte RWE in der kommenden Saison mit einem kalkulierten Schnitt von 13.000 Zuschauern – schon in der 4. Liga waren es trotz der monatelangen Corona-Einschränkungen fast 9.500 – eine Bereicherung für die Liga darstellen. Auch für Torjäger Simon Engelmann, der mit seinen 24 Saisontreffern zum vierten Mal hintereinander Torschützenkönig in der West-Staffel wurde und noch nie in der 3. Liga gespielt hatte, beginnt eine neue Zeitrechnung. „Ich bin unheimlich stolz auf das Team“, sagt der Knipser vom Dienst. „Es war ein wildes Jahr. Wir hatten mit Dennis Grote und Torhüter Daniel Davari zwei Kapitäne verloren, im Saisonfinale kam es auch noch zum Trainerwechsel. Dass wir es dennoch geschafft haben, zeigt die Charakterstärke des Teams.“

Sportdirektor Jörn Nowak, der zusammen mit dem etatmäßigen U 19-Trainer Vincent Wagner die Mannschaft für die letzten beiden Spiele als Interims-Teamchef betreut hatte, zeigte sich erleichtert. „Erst mit dem Schlusspfiff war ich mir sicher, dass wir es geschafft haben“, meinte Nowak. „Da ist der gesamte Druck abgefallen.“

Nach 14 Jahren kehrt RWE in den Profifußball zurück. Auf die Verantwortlichen des Deutschen Meisters von 1955 und DFB-Pokalsiegers von 1953 wartet bis zum Saisonstart am 22. Juli aber noch viel Arbeit, auch wenn sich zahlreiche Spielerverträge – unter anderem von Torhüter Jakob Golz und Torjäger Engelmann – durch den Aufstieg automatisch verlängert haben. Als Neuzugang steht bereits Ron Berlinski vom künftigen Ligakonkurrenten SC Verl fest. Wichtigste und erste „Baustelle“ dürfte für Uhlig, Nowak und Co. zunächst die Neubesetzung der vakanten Trainerposition sein.

Foto-Quelle: Marcel Rotzoll

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