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Fabian Mohs: „Lebensretter“ entkommt nur knapp dem Tod

Spielmacher beim Bottroper Bezirksliga-Aufsteiger VfB Kirchhellen geht voran.
Der Jahreswechsel und die Silvester-Party mit Freunden und Kollegen im eigenen Wintergarten waren auch für Fabian Mohs (Foto), Spielmacher beim Bottroper Bezirksliga-Aufsteiger VfB Kirchhellen, Zeit und Gelegenheit, die ereignisreichen Wochen und Monate, die hinter ihm liegen, Revue passieren zu lassen. Für den 23-jährigen Bankkaufmann rückte der Fußball deutlich in den Hintergrund und wurde im wahrsten Sinne zur schönsten Nebensache der Welt.

Mit einer Stammzellenspende schenkte der Junge aus dem Ruhrgebiet einem an Blutkrebs erkrankten erwachsenen US-Amerikaner neue Hoffnung, wieder ganz gesund zu werden. Doch damit nicht genug: Nur eine Woche nach seiner Spende sprang Mohs dem Tod selbst gerade noch von der Schippe.

Aber der Reihe nach: Angefangen hatte alles vor vier Jahren. Zusammen mit seinem Onkel Frank besuchte Fabian ein Heimspiel seines Lieblingsklubs FC Schalke 04. Auf dem Weg zur Schalker Arena kamen beide an der „1000-Freunde-Mauer“ vorbei, an der die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ein Zelt aufgebaut hatte. Dort lud die 1991 gegründete gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen den Blutkrebs verschrieben hat, die Fußballfans zur Registrierung und Typisierung ein.

„Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, sagt Fabian Mohs im kicker-Gespräch, „waren unsere Gedanken, als wir beide die Speichelproben abgegeben hatten. Dass ich jemand sein könnte, der einem Menschen das Leben retten kann, daran habe ich als damals 19-Jähriger nicht geglaubt. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn man helfen kann.“ Pünktlich zum Anpfiff saßen beide potenziellen „Lebensretter“ im Stadion. „Die Registrierung war ein Kinderspiel. Innerhalb von nur fünf Minuten waren auch alle Formalitäten abgewickelt.“

Überraschender Anruf von der DKMS im Juli 2019

Vier Jahre später wurde die Möglichkeit, einem Menschen das Leben retten zu können, plötzlich ganz real. „Im Juli habe ich dann einen Anruf von der DKMS bekommen und war völlig überrascht, dass ich ausgewählt wurde“, sagt Fabian. Um das Ergebnis der bereits vorhandenen Speichelprobe endgültig zu bestätigen, wurde ihm ein Blutentnahme-Set zugeschickt, mit dem er sich bei seinem Hausarzt vorstellen sollte. Die entnommene Blutprobe wurde zurückgeschickt und von da an nahm die Sache ihren Lauf. Keine vier Wochen später wurde dem Fußballer aus der 8. Liga schriftlich mitgeteilt, dass er tatsächlich als passender Spender infrage komme und sich einer weiteren Voruntersuchung unterziehen solle.

Für einen halben Tag suchte der Mittelfeldspieler dafür eine Kölner Spezialklinik auf, um sich in der Domstadt durchchecken zu lassen. Vor Ort wurde Fabian Mohs über die folgenden Schritte aufgeklärt. Jeder Stammzellen-Spender bekommt außerdem von der DKMS einen persönlichen Berater zur Seite gestellt, der sämtliche Fragen beantwortet. „Nach dem Gespräch mit den Ärzten bekam ich dann noch einen Beutel voller Spritzen in die Hand gedrückt“, erinnert er sich.

Währenddessen informierten die Kölner Ärzte die Kollegen in den USA, dass der passende Spender in Deutschland gefunden wurde. Danach blieben noch drei Wochen Zeit, um den erkrankten Patienten auf den „Tag X“ vorzubereiten. „Dabei wird das Immunsystem des Erkrankten auf Null runtergefahren“, beschreibt Nicht-Mediziner Fabian die Prozedur. Dieser Vorgang dauert in der Regel drei bis vier Wochen. „Ich hatte nach der Voruntersuchung also noch einmal einige Wochen Zeit bis zum endgültigen Termin der Stammzellenentnahme, sollte zwischenzeitlich keinen Sport treiben.“

170 Minuten und neun Spritzen für ein neues Leben

In den letzten Tagen vor der Stammzellenentnahme wird den Spendern der vielleicht schwierigste Teil abverlangt. Innerhalb von vier Tagen muss ein Botenstoff neunmal gespritzt werden. Damit werden die Stammzellen im Blut angereichert. Die DKMS stellt dafür entweder einen ambulanten Pflegedienst zur Verfügung oder der Spender sucht dafür den Hausarzt auf.

Fabian hatte sich im Vorfeld genau informiert, im Internet ein Erklärvideo angeschaut und die Sache selbst in die Hand genommen „Das war kein großes Ding. Vor zwei Jahren hatte ich eine Meniskus-OP und schon damals mein bandagiertes Knie mit Thrombose-Spritzen selbst versorgt.“ Bis auf leichte Kopf- und Gliederschmerzen hielten sich die Nebenwirkungen in Grenzen.

Am Vorabend des 23. Oktober reiste Fabian mit seiner Mutter Sabine erneut in die Domstadt, weil bereits am nächsten Morgen um 7.30 Uhr die Stammzellenentnahme begann. Aus seinem linken Arm wurde das Blut abgepumpt, floss in eine Maschine, die die Stammzellen herausfilterte und anschließend wurde ihm das Blut über den rechten Arm wieder zugeführt. „Es war eigentlich wie eine längere Blutabnahme“, so Fabian Mohs, der die Prozedur als trainierter Fußballer in nur 170 Minuten, also in weniger als zwei Fußballspielen und damit deutlich schneller als gewöhnlich, hinter sich brachte.

Nur einen Tag später wurden die Stammzellen dem amerikanischen Patienten in Übersee zugeführt. Erst nach der Spende wurde Fabian Mohs von der DKMS das ungefähre Alter (mindestens 30), das Geschlecht und das Herkunftsland des Empfängers mitgeteilt.

„Neugierig auf genetischen Zwilling“

„Wichtig ist, dass der Patient in den USA gesund wird“, sagt Fabian Mohs, der den Empfänger seiner Spende frühestens in zwei Jahren treffen darf. „Ich bin schon neugierig, wer mein genetischer Zwilling ist“, sagt Fabian, der in seinem Leben zuvor nie Blut gespendet hatte, aber schon seit 2015 mit einem Organspende-Ausweis in der Tasche unterwegs ist. „Für ein Kennenlernen würde ich den Patienten auch zu mir nach Hause einladen. Aber schöner wäre es, wenn ich nach Amerika reisen dürfte, weil ich noch nie in den Staaten war.“

Die Reaktionen in Fabians Umfeld waren allesamt positiv. Sein Arbeitgeber, ein Kreditinstitut in Marl, unterstützte ihn, akzeptierte umgehend den einwöchigen Krankenschein. Im Freundeskreis und beim VfB Kirchhellen sind alle hellauf begeistert, einen „Lebensretter“ in ihrer Mitte zu wissen.

Nur knapp dem Tod von der Schippe gesprungen

Nach der Spende bekam Fabian Mohs noch zwei Wochen Sportverbot. Inzwischen hat er auch eine Nachuntersuchung beim Hausarzt problemlos absolviert. „Alle Werte waren top“, freut sich Fabian. „Ich fühle mich, als wäre nichts gewesen, habe mittlerweile mein volles Leistungsvermögen wieder erreicht.“

Dass sein Team während seiner „Zwangspause“ nur einen von möglichen neun Punkte holte, geriet zur Nebensache. Unmittelbar nach seiner Rückkehr stellte er mit drei Treffern in vier Pflichtspielen seine Torgefährlichkeit gleich wieder unter Beweis. Aktuell steht Fabian Mohs bei sieben Saisontreffern. In der Aufstiegssaison hatte er in 28 Spielen 25-mal getroffen und bei 21 weiteren Toren als Vorbereiter geglänzt. Der VfB Kirchhellen überwintert auf Rang elf.

Wie schnell das Schicksal zuschlagen kann, wurde Fabian Mohs nur eine Woche nach seiner Stammzellenspende klar. Teile des VfB-Teams hatten sich an „Halloween“ zu einem Mannschaftsabend in einer Disco in Schüttdorf verabredet. Fabian und sechs weitere Spieler saßen im Auto, als plötzlich ein Reifen bei Tempo 140 auf der Autobahn platzte. Der Fahrer des Bullis hatte zum Glück gut reagiert, lenkte das Auto in die Mittelleitplanke, so dass alle mit dem Schrecken davonkamen. „Erst rette ich jemandem das Leben und dann wird mir das Leben gerettet“, fasst Fabian Mohs die bewegte Zeit zusammen. Am Silvesterabend konnte er mit einigen Teamkollegen, die ebenfalls im Bus saßen, darauf anstoßen.

Text: Peter Haidinger für kicker-Sportmagazin

Foto-Quelle: privat

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