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Lippstadts Angreifer Anton Heinz: „Instinktiv die Wahrheit gesagt“

Offensivspieler des SV Lippstadt 08 zeigt vorbildliches Fairplay.


Bemerkenswerte Aktion von Anton Heinz: Der 22 Jahre alte Offensivspieler des SV Lippstadt 08 aus der Regionalliga West gab nach einem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters ehrlich zu, dass sein Gegenspieler +den Ball getroffen hatte. Dabei lag seine Mannschaft gegen Fortuna Köln 0:2 zurück. Der Strafstoß wurde zurückgenommen. Im FUSSBALL.DE– und MSPW-Interview spricht Anton Heinz über sein Fairplay.

Beschreiben Sie doch einmal die vermeintliche Elfmetersituation aus Ihrer Sicht, Herr Heinz!

Anton Heinz: Der Ball wurde in den Strafraum gespielt und war zunächst etwa zehn Meter von mir entfernt. Ich war am schnellsten am Ball. Mein Gegenspieler hat versucht, den Ball wegzuschlagen. Dabei bin ich zu Fall gekommen.

Wie kam es dann dazu, dass der Strafstoß zurückgenommen wurde?

Heinz: Nach dem Elfmeterpfiff sind fünf, sechs Kölner Spieler auf den Schiedsrichter zugestürmt und haben protestiert. Auch auf mich sind einige Gegenspieler zugekommen. Als mich der Schiedsrichter dann gefragt hat, ob es ein Foul war, habe ich ihm gesagt, dass auch der Ball gespielt worden ist.

Haben Sie für einen Moment über die möglichen Konsequenzen nachgedacht?

Heinz: Ich will ehrlich sein: Als der Elfmeter für uns beim Stand von 0:2 gegeben wurde, habe ich mich zunächst schon gefreut. Wir stecken derzeit mit dem SV Lippstadt 08 mitten im Abstiegskampf und der Strafstoß war für uns eine Möglichkeit, wieder zurück in die Partie zu kommen. Als ich dann nach der Situation befragt wurde, habe ich aber instinktiv die Wahrheit gesagt.

Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Heinz: Die Kölner haben mir unmittelbar danach applaudiert. Auch in der Halbzeitpause sind Gegenspieler zu mir gekommen und haben mir Respekt für die Entscheidung gezollt. Da waren ein paar Schulterklopfer dabei.

…und die Ihrer Mitspieler?

Heinz: Ein klein wenig Enttäuschung war schon dabei, dass der Schiedsrichter nach meiner Aussage den Elfmeter zurückgenommen hat. Eine Ballberührung des Gegenspielers schließt ja ein Foul auch nicht direkt aus. Die Jungs standen aber komplett hinter mir und meiner Entscheidung. Wie man sich das bei einer guten Mannschaft auch vorstellt.

Sie werden also auch in Zukunft so handeln?

Heinz: Ich bereue es auf keinen Fall und würde es erneut so machen. Nicht nur bei meiner Familie. Auch bei meinen Jugendvereinen FC Gütersloh und Arminia Bielefeld bin ich so erzogen worden. Was ich besonders schön fand: Im weiteren Spielverlauf bekam die Fortuna einen Eckball zugesprochen. Der Kölner Spieler hat dann aber zugegeben, dass er zuletzt am Ball war. Wenn ich durch mein Verhalten den einen oder anderen vielleicht dazu ermutigt habe, bei den Spielsituationen ehrlicher zu sein, freut mich das natürlich.

Am Ende sprang für den SV Lippstadt 08 beim 2:2 noch ein Punktgewinn gegen Fortuna Köln heraus. Haben Sie das auch ein wenig als „Belohnung“ für Ihre Ehrlichkeit empfunden?

Heinz: Das kann man schon so sehen. Wir haben trotz des Zwei-Tore-Rückstands zur Pause nie aufgesteckt und sind dafür mit den Toren von Simon Schubert und Lucas Arenz belohnt worden. Die Aufholjagd gibt uns Selbstvertrauen für die Partie am Samstag gegen den SC Preußen Münster. Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir Mannschaften aus dem oberen Drittel Paroli bieten können.

Sie wurden unter anderem im Nachwuchs von Arminia Bielefeld ausgebildet und sind in der zurückliegenden Saison mit dem SC Verl in die 3. Liga aufgestiegen. Lebt bei Ihnen noch der Traum vom Profifußball?

Heinz: Das ist weiterhin mein Ziel. Der Wechsel zum SV Lippstadt 08 war für mich kein Rückschritt. Hier bekomme ich Spielpraxis, mit der ich mich besser weiterentwickeln kann. Ich habe aber auch die Karriere abseits des Fußballs im Blick. Aktuell übe ich einen Nebenjob bei einem Getränkelieferanten aus. Im Sommer will ich mit einer Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen. Sollte aber in Richtung Profifußball eine Tür aufgehen, wäre ich sicher nicht abgeneigt.

Foto-Quelle: Henrike Raestrup-Pawliczek

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