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Pils plus Malteser gleich ein „Ahlenfelder“

Am heutigen Dienstag vollendet der Ex-Fußball-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder sein 70. Lebensjahr.

Von Franz Josef Colli

Am heutigen Dienstag vollendet Ex-Fußball-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder aus Oberhausen sein 70. Lebensjahr. Der Unparteiische erlangte einst Kult-Status, als er im Jahr 1975 bei der Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und Hannover 96 (0:0) die erste Hälfte bereits nach 32 Minuten abpfiff, dann doch weiterspielen ließ und schließlich 90 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit endgültig zur Halbzeit pfiff. Noch heute bekommt man im Bremer Vereinslokal ein Pils und einen Malteser, bestellt man einen „Ahlenfelder“.

13 Jahre nach seinem unvergessenen Auftritt im Weserstadion hängte Ahlenfelder die Pfeife nach 106 Bundesliga-Spielen an den berühmten Nagel. Am heutigen Dienstag (11. Februar) wird er 70 Jahre alt – einer der besten, aber auch umstrittensten Fußball-Schiedsrichter in der Geschichte der Bundesliga.

„Es war eine schöne Zeit“, sagte er rückblickend und stellte fest: „Es fehlt mir heute an Menschlichkeit. Ich glaube, wir hatten damals mehr Spaß am Fußball.“ Dass es bei Ahlenfelder, der als Rentner zusammen mit seiner Frau Christel in Oberhausen lebt, mehr „menschelte“, daran hatte der gelernte Industriekaufmann selbst großen Anteil.

Unvergessen ist „Ahlis“ Dialog mit Trainer Otto Rehhagel, den er aufforderte: „Bleib auf deinem Hintern sitzen, sonst komme ich mit Pattex zu deiner Bank.“ Legendär seine Aufforderung an Spieler, die auf dem Boden lagen: „Junge, steh auf, die Rasenheizung ist nicht an.“ Als Ex-Bayern München-Star Paul Breitner einst meckerte: „Du pfeifst wie ein Arsch“, antwortete Ahlenfelder schlagfertig (Foto): „Du spielst ja auch wie ein Arsch.“

In der Saison 1983/84 wurde er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der „Goldenen Pfeife“ als damals bester deutscher Schiedsrichter ausgezeichnet. Aber dem lebenslustigen Oberhausener, der auch einem „Pilsken“ nicht abgeneigt war, unterliefen auch Irrtümer – wie damals in Bremen, nachdem die fettige Gans zum Mittagessen mit ein paar Gläsern Bier und einigen Malteser-Schnäpsen „bekämpft“ worden war.

„Es ehrt mich unheimlich, dass man mich noch kennt“, sagte Ahlenfelder. Den Fans ist er noch immer ein Begriff, obwohl der einst kleine, rundlich wirkende Schiri im Gegensatz zu vielen anderen populären deutschen Referees in seiner Karriere weder ein Länderspiel noch eine Europapokal-Begegnung leitete.

Dennoch, glaubt der Jubilar, „habe ich für den Fußball in Deutschland einiges getan“. Gleichzeitig findet Ahlenfelder aber auch kritische Worte in Bezug auf die heutige Schiedsrichter-Zukunft. Es fehle an Typen! Ahlenfelder 2012 im 11Freunde-Interview: „Das wird von Funktionären gesteuert, die auf der Tribüne sitzen und beobachten. Es sind die größten Gipsköppe aller Zeiten, die dort herumlaufen. Ich habe keinen Draht zu Funktionären, die haben meine Karriere kaputtgemacht.“

Den Referees werde die Bewegungsfreiheit genommen: „Sie müssen sich strikt an ihr Regelwerk halten. Ein Beispiel: Geht vom Trikotausziehen beim Torjubel die Welt unter? Da frage ich mich, ob der Sepp Blatter noch alle auf dem Ofen hat. Die Leute haben noch nie Fußball gespielt, die müssen auch mal überlegen, was in einem Fußballer vorgeht. Natürlich würde ich das Trikot-Überstreifen lieber bei einer Damen-Mannschaft sehen, aber was soll es? Emotionen tun doch keinem weh.“

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