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DFB-Vize Peter Frymuth: „Für RWE tut es mir leid“

DFB-Vize und Klubs verurteilen Krawalle beim Pokalderby gegen MSV.

Dieses (Zugangs-)Tor tat dem packenden Niederrheinpokal-Halbfinale zwischen den beiden Traditionsvereinen Rot-Weiss Essen und MSV Duisburg (1:4 nach Elfmeterschießen) alles andere als gut. Weil rund 50 vermummte Chaoten während der Schlussphase der regulären Spielzeit in der Essener Fankurve ein Tor zum Innenraum aufbrachen und auf den Platz gelangen wollten, wird das Revierderby zwischen dem Regionalliga-Zwölften und dem Drittliga-Sechsten nicht wegen der großartigen Kulisse von 20.000 Zuschauern im erstmals ausverkauften Stadion Essen in Erinnerung bleiben. Nicht wegen der über weite Strecken eindrucksvollen Atmosphäre und auch nicht wegen der vor allem kämpferisch herausragenden Leistung der Gastgeber, die den favorisierten MSV am Rande einer Niederlage hatten. Sondern wegen der Ausschreitungen und des drohenden Spielabbruchs, den die Polizei nur mit einem massiven Einsatz am Spielfeldrand verhindern konnte.

Fast eine halbe Stunde lang musste der umsichtige Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) das Pokalduell – unter anderem unter den Augen des für Polizei und Sport zuständigen NRW-Innenministers Ralf Jäger – unterbrechen und sorgte damit unfreiwillig dafür, dass die Partie mit einer Gesamtdauer von drei Stunden und elf Minuten als eines der längsten Fußballspiele aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird.

Zuvor waren schon zu Beginn der zweiten Halbzeit auch Anhänger der Duisburger vor allem durch den groß angelegten Einsatz von Bengalischen Feuern und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern negativ aufgefallen, so dass jetzt beiden Vereinen ein Nachspiel droht. Sobald die Berichte der Sicherheitsbehörden vorliegen, werden Ermittlungen eingeleitet. Dass zumindest bei der An- und Abreise der Fans laut Bundespolizei „bis auf kleinere Verstöße“ alles friedlich blieb, war nur ein schwacher Trost.

„Es ist sehr bedauerlich, dass einige wenige dieses Fußballfest missbraucht und die intensiven Bemühungen der Vereine, des Verbandes und der Polizei durch ihr Verhalten konterkariert haben. Sie nutzen die Bühne Fußball, um auf sich aufmerksam zu machen“, sagte Peter Frymuth, Präsident des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) und DFB-Vize, gegenüber dem kicker. „Vor allem für Rot-Weiss Essen tut mir dieser erhebliche Imageschaden sehr leid. Gerade dieses Spiel und seine Rahmenbedingungen haben doch gezeigt, was dort zu erreichen ist. Insgesamt müssen wir uns alle aber noch intensiver Gedanken machen, wie wir diese Minderheit in den Griff bekommen.“

Deutliche Worte fanden auch die Verantwortlichen der beiden Klubs. So kündigte MSV-Präsident Udo Kirmse („Ich bin sehr enttäuscht, wie sich Teile unserer Fans benommen haben“) umgehend Konsequenzen an: „Wir wollen alle polizeilichen Mittel ausschöpfen, um die Täter zu identifizieren und sie mit Stadionverboten zu belegen.“ Gleiches betonte auch RWE-Vorsitzender Dr. Michael Welling und fügte hinzu: „Selbst über einen Sieg hätten wir uns unter diesen Umständen nicht freuen können. Diese Störer machen den Fußball kaputt.“

Große Diskussionen löste die Öffnung des Zugangstores zum Innenraum hin aus, zumal es nicht das erste Mal in dieser Saison war. „Wir haben den Stadioneigentürmer GVE schon mehrfach auf die Problematik hingewiesen, dass die Tore offenbar zu leicht geöffnet werden können, und haben bisher immer die Antwort erhalten, dass alles in Ordnung sei“, sagte Ex-Stadtdirektor Christian Hülsmann, Chef des RWE-Aufsichtsrates, zum kicker. Das bestätigte die GVE auch am Tag nach dem Spiel noch einmal und gab bekannt, dass ein Zuschauer über den Zaun geklettert sei und das Tor von innen geöffnet habe.

In sportlicher Hinsicht stellten die Essener unter Beweis, dass doch wesentlich mehr in der Mannschaft steckt, als sie in dieser Saison bisher gezeigt hatte. „Dass wir für eine überragende Leistung nicht belohnt wurden, ist doppelt bitter. In der Kabine herrschte Totenstille, auch Tränen sind geflossen“, meinte der neue RWE-Trainer Marc Fascher. „Leider haben uns die Nerven im Elfmeterschießen einen Streich gespielt.“

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