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Klartext von Neururer: „Auch ich bin Lügen aufgesessen“

Vereinbarungen gegenüber dem Fußball-Lehrer nicht eingehalten.
Gut fünf Monate nach seinem medienwirksamen Amtsantritt, aber fast drei Jahre vor dem eigentlichen Ablauf seines Vertrages am 30.Juni 2022 steht das Engagement von Peter Neururer als Sportlicher Leiter des West-Regionalligisten SG Wattenscheid 09 bereits vor dem Aus. Der 64-jährige Fußball-Lehrer und TV-Experte hat sich zunächst zurückgezogen und „die Angelegenheit meinem Anwalt übergeben“.

Aufmerksamen Beobachtern war schon am Rande des Derbys bei Rot-Weiss Essen (0:2) nicht entgangen, dass Neururer an der Hafenstraße fehlte. So wollte er möglichen Fragen nach der – wieder einmal – äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation aus dem Weg gehen. Zum kicker und MSPW sagte Neururer später: „Wir benötigen dringend Klarheit von der Vereinsführung. So kann es auf jeden Fall nicht weitergehen.“

Diese „Klarheit“ blieb jedoch bislang offenbar aus. Dabei hieß es noch vor wenigen Monaten, die komplette Saison sei „durchfinanziert“. Auch als der bisherige Aufsichtsrat-Vorsitzende und Hauptgeldgeber Oguzhan Can kurz vor dem Saisonstart seinen Rücktritt erklärt hatte, betonte Aufsichtsrat und Ex-Schalke-Präsident Josef Schnusenberg am Rande des erfolgreichen Saisonstarts in Verl (2:0), dass „wir nach Durchsicht der Unterlagen entschieden haben, dass es bei der SG 09 keine Insolvenz geben wird. Alle Gremiums- und Vereinsvertreter führten und führen intensive Gespräche mit potentiellen Sponsoren und Unterstützern, die den Verein in finanziell ruhigere Fahrwasser bringen sollen und werden“.

Einen Monat später hat sich die Lage zumindest nicht verbessert. So wurden erneut verspätete Gehaltszahlungen für Trainer und Spieler öffentlich. Selbst die aus dem „Retterspiel“ gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 (2:2 vor 8.000 Zuschauern) erzielten Einnahmen konnten offenbar keine Abhilfe schaffen. Auch Neururer verhehlt nicht, dass “ in meinem Fall ebenfalls Vereinbarungen nicht eingehalten wurden“. Heißt übersetzt: Auch der langjährige Bundesligatrainer wartet auf Geld. Außerdem soll es unter anderem schon Probleme bei Buchungen und Lieferungen des Ausrüsters gegeben haben, da auch dort Rechnungen offen sein sollen. Weitere Gläubiger stehen Schlange. Dass es Neururer und Trainer Farat Toku dennoch gelang, auf der Basis eines (geplanten) Etats von ca. 400.000 Euro einen durchaus schlagkräftigen Kader zusammenzustellen, ist umso bemerkenswerter.

„Das gesamte Konstrukt, das bei einer Mitgliederversammlung im März präsentiert wurde, war auf Lügen aufgebaut. Auch ich bin dem aufgesessen“, nimmt Peter Neururer im kicker– und MSPW-Gespräch kein Blatt vor den Mund: „So kann ich nicht arbeiten, auch wenn ich es gerne möchte. Was soll ich den Jungs denn erzählen? Ich mache mich doch unglaubwürdig, wenn Zusagen später erneut nicht eingehalten werden.“ Eine weitere Zusammenarbeit erscheint daher kaum noch möglich. Trainer Toku, der die Mannschaft auf das wichtige Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte (Montag, 20.15 Uhr, live bei „Sport1“) vorbereiten muss, steht damit allein auf weiter Flur. Wieder einmal.

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