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Traben Berlin: Velten von Flevo und La Grace gewähren Revanche

Derbysieger sind die Stars bei den Rennen um die „Züchter-Kronen“.
Absolute Extraklasse: Der zweite Renntag um die „Züchter-Kronen“ (Breeders Crown) verspricht am Sonntag auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf hochkarätigen Sport. Angefangen von den Derby-Siegern Velten von Flevo und La Grace (Foto) bis hin zu Newcomern wie Namaga Bo geht die gesamte Vierbeiner-Elite auf der Derby-Bahn an den Start. Das erste von insgesamt 13 Rennen, darunter nicht weniger als sechs Hauptläufe um die „Züchter-Kronen“, wird um 14 Uhr gestartet.

Die Frage, welches der Rennen für zwei-, drei- oder vierjährige Pferde denn nun den höchsten Wert genießt, sorgte unter den leidenschaftlichen Anhängern des Sulkysports schon immer für lebhafte Diskussionen. Doch in diesem Jahr werden sich die meisten von ihnen sehr schnell einig werden. Denn der Veranstalter hat das große Los gezogen: Sowohl Velten von Flevo, der das 124. Deutsche Traber-Derby gewann, als auch La Grace, die beim Stuten-Pendant triumphierte, treten in Mariendorf an.

Dass diejenigen dreijährigen Pferde, die kurz zuvor in der Öffentlichkeit für die größten Schlagzeilen sorgten, nur wenige Wochen später am gleichen Ort gegen ihre Herausforderer erneut um den Sieg kämpfen, war in der Vergangenheit aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer der Fall. Diesmal hat es geklappt. Wenn man sich außerdem die Qualität der weiteren Hauptläufe anschaut, wird es endgültig zur Gewissheit: Die Veranstaltung ist nicht nur eine waschechte Derby-Revanche, sondern ein Festival des Trabersports.

Derbysieger Velten von Flevo wird im 9. Rennen erneut vom amtierenden Weltmeister Rick Ebbinge (NL) gesteuert. Über das Können dieses Mannes Worte zu verlieren, würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Man kann eigentlich nur den Hut ziehen – denn was „Ricki“, dessen korrekter Vorname eigentlich Henricus lautet, Tag für Tag im Sulky abliefert, ist vom Feinsten. Dass der Niederländer nach dem Derby nun auch die Breeders Crown (BC) gewinnt, ist dem 35-Jährigen zuzutrauen, zumal sein Schützling absolute Frontrenner-Qualitäten besitzt. Zwei Pferde, die im Derby-Finale nur wenige Zentimeter hinter Velten von Flevo blieben, sind ebenfalls dabei. Rancoon (Rudolf Haller/Vaterstetten) und River Flow (Thorsten Tietz/Schöneiche) besaßen auf den letzten Derby-Metern die größten Reserven. Aber man darf nicht übersehen, dass Velten von Flevo vom Fleck weg erheblich mehr tun musste und das Pensum dennoch durchstand. Ob Rancoon und River Flow mit dem großen Triumphator tatsächlich auf einem Level liegen, bleibt daher abzuwarten.

Ohnehin hängt das Abschneider nicht zuletzt davon ab, wie sich die Pferde in den zurückliegenden Wochen weiterentwickelt haben. Dass es bei ihm genau in die richtige Richtung geht, hat vor allem Gladiateur (Michael Nimczyk/Willich) bewiesen. Denn der Hengst gewann das St. Leger in überragender Manier und unterstrich, dass er im Rennen nicht auf die Spitze angewiesen ist. Der Deutsche Meister kann seinen Schützling daher sehr flexibel einsetzen. Bei dem ursprünglich sehr hoch eingeschätzten Jason Dragon (Robin Bakker/NL) ist der Knoten dagegen noch nicht endgültig geplatzt – der Braune muss deutlich zulegen, wenn er ganz vorn mitmischen will. Auch Man U (Thomas Panschow/Bladenhorst) gehört trotz seines frischen Erfolges ebenso wie Orkan von Haithabu (Jaap van Rijn/NL) nur zu den Außenseitern.

Das dicke Fragezeichen im Feld ist Otero (Josef Franzl/Arget-Sauerlach). Er galt zunächst als Derby-Topfavorit, war dann aber im Vorlauf in der Außenspur klar überfordert. Mit seinem Triumph im B-Finale rückte der Lasbeker die Dinge zwar wieder gerade, hatte beim St. Leger gegen Gladiateur aber keine Chance. Alles in allem ist er wohl eher Platz- als Sieganwärter – es sei denn, dass Otero einen Traumverlauf serviert bekommt.

Eine, die offenbar überhaupt nicht vom Verlauf abhängig ist, tritt im 5. Rennen an. Nämlich La Grace, deren Stutenderby-Sieg nicht nur bei ihrem ständigen Begleiter Michael Nimczyk, sondern auch beim Publikum tiefe Emotionen weckte. An der Muscle-Hill-Tochter, die dem Berliner Rennbahn-Besitzer Ulrich Mommert gehört, führt überhaupt kein Weg vorbei und es gibt nicht den geringsten Grund, der gegen einen erneuten Triumph spricht. Falls sie ganz die Alte ist, werden die Angriffe der Gegner an der vierbeinigen Lady, die ein unvergleichliches Phlegma besitzt, abprallen. Bis auf Jacky Bros (Jaap van Rijn), die zweimal hintereinander an Fehlern scheiterte, nun aber bestimmt wieder ihr wahres Gesicht zeigen wird, bewegen sich zwar alle Teilnehmer des Hauptlaufs der dreijährigen Stuten in bestechender Form – aber angefangen von Rock my Dreams (Josef Franzl), Jetway Fortuna (Cees Kamminga/NL), Jersey Muscles (Thomas Panschow), Jessy Schermer (Rick Ebbinge), Gaja (Jochen Holzschuh/Dülmen) bis hin zu Jane Attack (Michel Rothengatter) wird es für sie gegen eine in Normalform agierende La Grace zu schwer.

Der Hauptlauf der zweijährigen Stuten geht als 7. Rennen über die Bühne. Die zehn Starter sind allesamt sehr unerfahren. Stall Habos Namanga Bo (Jaap van Rijn) kann auf ihren mit Autorität erzielten Jugend-Preis-Sieg verweisen, hat mit der von Tomas Malmqvist trainierten und in Charlottenlund erfolgreichen Ready-Cash-Tochter Taste of Diamonds (Ken Ecce) aber eine ernsthafte Gegnerin vor der Brust. Grace Keely (Michael Nimczyk) qualifizierte sich in Bahrenfeld in 16er-Zeit und ist ebenso wie Ka Ching Bros (Dion Tesselaar) und TheBankonBroadway (Kurt Roeges) hochinteressant – der Rest ist Spekulation. Auch der als Eibl-Pokal ausgetragene Hauptlauf der Hengste und Wallache – das 10. Rennen – ist für die Wetter eine knifflige Angelegenheit. Sie werden sich wohl hauptsächlich auf zwei der elf Teilnehmer konzentrieren: Auf Baltic Star (Thomas Panschow), den nach seinem Triumph beim Gerhard-Krüger-Memorial zwar ein kurzer Fehler im Jugend-Preis vom Erfolgskurs abbrachte, der aber riesiges Laufvermögen besitzt. Und auf Wild West Diamant (Robin Bakker), der im gleichen Rennen aus der zweiten Reihe erst auf der Schlusshalben richtig auf Touren kam und noch sehr schnell wurde.

Ladies first – das ist auch bei den Hauptläufen der Vierjährigen das Motto. Die Stuten treten im 8. Rennen an, die Hengste und Wallache kommen im 12. Rennen an die Reihe. Bei den „Ladies“ wird das Publikum gebannt auf die von Dion Tesselaar (NL) gesteuerte Cahaya blicken. Die Schwester der Cést bien (52.411 Euro Gewinnsumme) hat in ihrem gesamten Leben sage und schreibe erst vier Starts bestritten – aber bei denen war sie jedes Mal voll da. Ihre acht Gegnerinnen sind ebenfalls nicht von Pappe und es fällt schwer, die Hauptkonkurrentin auszuwählen. Vielleicht ist es die Orlando-Jet-Schwester Queen for a Day (Josef Franzl), die in Hamburg auf und davon ging und ihre Verfolger mit Weile-Vorsprung abfertigte.

Im Lauf der Hengste und Wallache besitzt Dion Tesselaar ebenfalls eine gute Chance, denn er nimmt im Sulky des mächtig gereiften Officer Stephen Platz. Dessen zehn Gegner sind aber nahezu gleichwertig – ein Teilnehmerfeld zum Zunge schnalzen! Die Auflistung von Emilion (Michael Nimczyk), Free Bird (Robbin Bot), Ids Boko (Robin Bakker), Very Impressive S (Cees Kamminga), Great Gatsby As (Heinz Wewering), Inspector Bros (Rick Ebbinge), Laurel Park (Thomas Panschow), Undigious Diamant (Peter Untersteiner) und Kjeld von Haithabu (Roland Hülskath) stellt daher keinerlei Wertung dar und entspricht lediglich der Reihenfolge der Startplätze. Keine Frage: Diese Prüfung ist einer der Höhepunkte des gesamten Wochenendes.

Foto-Quelle: Trabrennverein Berlin-Mariendorf/Heiko Lingk

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