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Nach 15 Jahren: Rot-Weiss Essen zurück auf der großen Fußball-Bühne

Der nächste Schritt soll schneller gehen.
Eigentlich sollte der Traditionsklub Rot-Weiss Essen schon bei der Neugründung der 3. Liga zur Saison 2008/2009 dabei sein. Eigentlich. Eine unerwartete 0:1-Heimniederlage am letzten Spieltag in der damals noch drittklassigen Regionalliga Nord gegen das abgeschlagene Schlusslicht VfB Lübeck bescherte dem Deutschen Meister von 1955 und DFB-Pokalsieger von 1953 jedoch den bitteren Absturz in die 4. Liga. Und es sollte 14 lange Jahre dauern, unterbrochen sogar noch durch ein Insolvenzverfahren, einen Zwangsabstieg und eine Spielzeit in der fünftklassigen NRW-Liga, um das „Trauma Lübeck“ zu überwinden und sich auf der Landkarte des deutschen Profifußballs zurückzumelden.

Jetzt ist „der“ RWE, wie sie an der Essener Hafenstraße grammatikalisch nicht korrekt sagen, als Meister der Regionalliga West wieder da. Endlich. Zumindest in Liga 3. „Wir sind aufgestiegen, um zu bleiben“, erklärt der RWE-Vorsitzende Marcus Uhlig (51), angesprochen auf die Zielsetzung für die neue Saison in der neuen Liga.

Das „bleiben“ ist dabei allerdings nur für die nähere Zukunft wörtlich zu nehmen. Denn mittel- und langfristig hat der Klub, der einst sieben Spielzeiten in der Bundesliga und 16 Saisons in der 2. Bundesliga am Ball war (zuletzt 2006/2007), mit seiner Historie, seiner herausragenden Fanbasis, seinem modernen Stadion und seinen – auch für Drittligaverhältnisse – beachtlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten höhere Ansprüche. Marcus Uhlig formuliert die Vision so: „Wir arbeiten daran, dass RWE eines Tages wieder dahin kommt, wo der Verein hingehört: Unter die Top 25-Klubs in Deutschland.“

Auch Sportdirektor Jörn Nowak (36), seit dem Frühjahr 2019 im Amt und damit ein Jahr nach dem langjährigen Bielefelder Multifunktionär Uhlig zu den Rot-Weissen gestoßen, hatte schon im letzten Herbst bei seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung um drei weitere Jahre bis 2025 keinen Zweifel an den Ambitionen gelassen. „Mein persönlicher Wunsch wäre es, dass RWE bis zu meinem Vertragsende in der 2. Bundesliga angekommen ist“, formulierte Nowak, dessen Vater Heiko ebenfalls seit vielen Jahren im Fußballgeschäft und aktuell als Cheftrainer Nachwuchs beim künftigen Zweitligisten 1. FC Magdeburg tätig ist.

Bei seiner Aussage hätte sich Jörn Nowak wohl nicht träumen lassen, dass er selbst in den letzten beiden Saisonspielen nach der überraschenden Freistellung von Cheftrainer Christian Neidhart noch als Interims-Teamchef an der Seitenlinie einspringen muss, um das Team zum ersehnten Aufstieg zu führen. Eine Rolle, die Nowak nicht allzu behagt. Kein Wunder, dass er nach dem „Herzschlagfinale“ in der West-Staffel erleichtert war: „Mit dem Abpfiff ist der gesamte Druck abgefallen.“ Am Ende reichten drei Tore Vorsprung vor dem punktgleichen Konkurrenten SC Preußen Münster, der sich am vorletzten Spieltag (0:0 beim SC Wiedenbrück) den einen Punktverlust zu viel erlaubt hatte.


Jetzt kann sich Jörn Nowak („Ich arbeite gerne strategisch“) wieder auf seine Kernaufgabe außerhalb des Platzes konzentrieren. Wichtigste „Baustelle“ ist die Verpflichtung eines neuen Trainers, auch wenn sich der Vertrag des drittliga-erfahrenen Neidhart durch den Aufstieg automatisch um eine weitere Spielzeit verlängert hat. Hier wird jedoch eine einvernehmliche Lösung angestrebt.

Rein quantitativ ist der künftige Kader mit 23 vertraglich gebundenen Spielern, darunter bis auf Flügelstürmer Isaiah Young (24) die komplette Startformation der entscheidenden Partie gegen Rot Weiss Ahlen (2:0) sowie mit Offensivspieler Ron Berlinski (27/SC Verl) der bislang einzige Neuzugang, schon jetzt gut aufgestellt. Dass diese 23 Akteure aber alle auch beim Trainingsstart Mitte Juni dabei sein und mit in die 3. Liga gehen werden, ist zumindest zu bezweifeln. Unter anderem stehen etwa hinter den kaum eingesetzten Yannick Langesberg (28) oder Fabian Rüth (20) wohl ebenso Fragezeichen wie bei den zuletzt ausgeliehenen Felix Heim (20/zurück vom FSV Frankfurt) und Felix Schlüsselburg (21/SV Lippstadt 08), wobei Rüth, Heim und Schlüsselburg zumindest die U 23-Regel erfüllen.

Der vor einem Jahr mit großen Hoffnungen vom SV Wehen Wiesbaden verpflichtete Linksverteidiger Michel Niemeyer (26) konnte verletzungsbedingt noch keine einzige Partie bestreiten. Besser ist die Prognose bei Offensivspieler Kevin Holzweiler (27), der wegen eines Kreuzbandrisses ebenfalls seit Oktober fehlte, zumindest aber schon wieder am Training teilnehmen konnte.

Beide verfügen über höherklassige Erfahrung, was aber auch für die beiden Ex-Bochumer Felix Bastians (34) und Thomas Eisfeld (29), Verteidiger Felix Herzenbruch (29), Mittelfeldspieler Luca Dürholtz (28) oder Flügelspieler Oguzhan Kefkir (30) gilt. Torjäger Simon Engelmann (33) spielte zwar noch nie in der 3. Liga, war aber zuletzt viermal in Serie Torschützenkönig in der Regionalliga West und stellte seine Klasse auch in der Vorsaison beim Einzug in das Viertelfinale des DFB-Pokals unter Beweis. Dennoch sucht RWE für alle Mannschaftsteile nach Verstärkungen. Als sichere Abgänge gelten Edel-Joker Zlatko Janjic (36), Rechtsverteidiger David Sauerland (24) und der zuletzt freigestellte Torhüter und Ex-Kapitän Daniel Davari (34). Angreifer Marius Kleinsorge (26) ist aktuell nur bis zum Saisonende vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen.

Verlassen kann sich der Klub auf seine Fans. Obwohl über weite Strecken der Saison noch erhebliche Corona-Einschränkungen galten und die jeweiligen Gäste oft nur wenige Fans mitbrachten, war der Zuschauerschnitt mit fast 9.500 Fans für die 4. Liga außergewöhnlich und auch für die 3. Liga schon ein Spitzenwert. Für die neue Saison kalkuliert der Klub mit rund 13.000 Besuchern pro Partie.

Auch im Umfeld und im Nachwuchs tut sich einiges. Das komplette Trainingsgelände an der Hafenstraße wird derzeit modernisiert und umgebaut, im NLZ werden die Rahmenbedingungen ebenfalls nach und nach verbessert. Dass die U 19 und U 17 in den Junioren-Bundesligen so gut abgeschnitten haben wie seit vielen Jahren nicht mehr, kommt ebenfalls nicht von ungefähr.

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