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Beerbaum als Botschafter des Pferdesports in China

Interview mit dem erfolgreichen Springreiter und Unternehmer

In den wichtigen chinesischen Medien wird Ludger Beerbaum stets als „Vater des deutschen
Pferdesports“ angekündigt. Auch wenn der deutsche Pferdesport sicherlich schon ein paar
Jahre älter als der erfolgreiche Sportler und Unternehmer aus dem westfälischen Riesenbeck
ist, macht die ehrfurchtsvolle Bezeichnung deutlich, dass Beerbaum beim „Longines Beijing
Equestrian Masters“ an diesem Wochenende in Peking vor allem eins ist: Botschafter seiner
Sportart. Im Interview erzählt der 49-jährige Mitorganisator des Turniers im Nationalstadion
„Bird’s Nest“ von der Globalisierung des Sports, den Chancen, die daraus für Deutschland
erwachsen und der rasanten Entwicklung der organisierten Reiterei in China.

Frage: Der Pferdesport ist in den letzten Jahren globaler geworden. Wie sehen Sie diese
Entwicklung?

Ludger Beerbaum: Unser Sport hat hier ohne Zweifel einen sehr großen Schritt in recht kurzer
Zeit gemacht. Für uns Reiter war das wie ein großer Berg, der auf einmal vor uns lag: Weite
Reisen, natürlich auch für die Pferde, große logistische Herausforderungen und wir mussten
plötzlich viel mehr managen. Wenn ich jetzt zurückschaue auf die letzten Jahre, dann ist es
vor allem eine Chance. Wir sind weder Fußball noch die Formel 1, daher können wir doch froh
sein, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Pferdesport international zu präsentieren. Viele
Sportarten beneiden uns darum, dass wir global an den Wachstumsmärkten teilhaben können.
Und für uns persönlich ist es eine große Erweiterung des Horizonts, eine tolle Erfahrung.

Frage: Das gilt nicht nur für die Sportler…

Beerbaum: Ganz genau. Wir Sportler verstehen uns als Botschafter des gesamten Pferdesports.
Im Übrigen nicht nur Deutschlands, sondern sicherlich auch für andere Nationen. Aber unser Know-
how ist in vielen Bereichen gefragt. Trainer, Richter, Schmiede, Tierärzte werden genauso benötigt
wie Züchter, Veranstalter und Ausrüster. Dieser Transfer ist eine tolle Chance für den Sport – und
natürlich mitunter auch lukrativ, ganz klar.

Frage: Wie erleben Sie die Entwicklung des „Longines Equestrian Masters“, das am Wochenende
im Nationalstadion „Bird’s Nest“ in Peking ausgetragen wird, und dessen Mitveranstalter Sie sind?

Beerbaum: Seit der Premiere im Jahr 2011 ist bereits sehr viel passiert. Die gesamte Organisation
ist professioneller geworden, das Turnier ist inzwischen recht bekannt und wird somit auch immer
interessanter – für Zuschauer, Medien und Sponsoren.

Frage: Wo steht der Pferdesport in China?

Beerbaum: Auch hier ist in kurzer Zeit sehr viel passiert. Es entsteht langsam ein Unterbau mit
vielen nationalen Turnieren, viele davon werden mit der Unterstützung europäischer Agenturen
organisiert. Das Bewusstsein für den Sport ist sehr gewachsen, der Pferdesport wird immer
bekannter. Inzwischen reisen auch viele Chinesen nach Europa, um dort zu lernen oder einfach
dem Sport zuzuschauen.

Frage: Was sind die dringendsten Probleme?

Beerbaum: Wir werden sicherlich in absehbarer Zeit das Quarantäne-Problem gelöst haben.
Derzeit dürfen Pferde aus Europa nur nach China ein-, nicht aber wieder ausreisen. Daher starten
meine Kollegen und ich hier auf Leih-Pferden. Wenn das Problem gelöst ist, wird das den Austausch
und natürlich insbesondere die Entwicklung des Spitzensports noch einmal beschleunigen.

Frage: Welches Potenzial liegt hier in China noch verborgen?

Beerbaum: Ein gewaltiges. Wie schnell sich der Sport hier aber entwickelt, lässt sich kaum prognos-
tizieren. Ein Transfer von Wissen und Erfahrung dauert eben seine Zeit. Aber hier ist eine unglaubliche
Energie hinter dieser Entwicklung, sodass ich mir sicher bin, dass sich der chinesische Pferdesport in
Richtung des europäischen entwickeln wird. Und bei kommenden Championaten werden wir auch
chinesische Reiter erleben, da bin ich mir ziemlich sicher – und diese Stars braucht der Sport, um
sich in der Breite zu entwickeln.

Frage: Wie ist es für Sie als Pferdesport-Pionier, den Medien hier in China Ihren Sport zu erklären?

Beerbaum: (lacht) Mitunter sehr skurril. Mir sind Fragen gestellt, worden, die sind mir in meinem
ganzen Leben noch nicht gestellt worden. Was mein „Fashion-Style“ ist, wollten sie wissen, was ich
für Klamotten trage. Aber in diesem Jahr organisieren wir ja bereits das dritte Longine Beijing
Equestrian Masters, und auch im Bereich der Medien ist eine Entwicklung feststellbar. Insbesondere
die Vergleiche zu den europäischen Turnieren interessieren die Medien jetzt.

Frage: Wie ist es für Sie und die anderen Reiter hier in Peking? Haben Sie die Chance, auch kulturell
etwas mitzunehmen?

Beerbaum: Auf jeden Fall. Verbotene Stadt, Große Mauer und Sommerpalast – diese kulturellen Stätten
haben wir alle besucht. Es ist ja doch etwas anderes, als in Paris oder London im europäischen Kulturkreis
unterwegs zu sein. In dieser Hinsicht ist es natürlich von Vorteil, dass wir hier in Peking noch nicht mit
unseren eigenen Pferden starten können, um die wir uns kümmern müssen. So haben wir viel mehr Zeit.

Quelle: Longines Beijing Equestrian Masters

 

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