Startseite / Pferderennsport / Galopp / Galopp Köln: Zeitreise mit Legende Hein Bollow

Galopp Köln: Zeitreise mit Legende Hein Bollow

Jockey- und Trainer-Idol gewann 1963 den ersten „Preis von Europa“.
Kurz vor dem 57. Preis von Europa (155.000 Euro) am Sonntag auf der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch blickt der Galopper-Dachverband über seine Online-Plattform „German Racing“ auf die Erstauflage des Klassikers zurück, die im Jahr 1963 die lebende Jockey- und Trainer-Legende Hein Bollow (inzwischen 98 Jahre) gewann.

Wir veröffentlichen die Pressemitteilung zum Besuch bei Hein Bollow im Wortlaut:

„Und der Mann dort drüben – das ist Hein Bollow, den kennt jeder, der war Jockey und Trainer. Das ist ein Großer.“ Obgleich nicht seine Körpergröße gemeint ist, habe ich keinen Zweifel an der Aussage meines Vaters. Wir stehen am Führring der Galopprennbahn Köln Weidenpesch, ich bin zwölf Jahre alt.

An jene erste Begegnung vor über 20 Jahren mit Heinrich Bollow muss ich denken, als ich im Fahrstuhl auf den Knopf zur 3. Etage drücke, die mich zu seiner Wohnung führt. Filip Minarik, Jockey und viele Jahre lang „Fahrer“ für Bollow bei dessen zahllosen Rennbahn-Besuchen, sagte kurz vorher beim Bäcker, ich solle ruhig zwei Stücke Mandelkuchen kaufen. „Wenn Du auch ein Stück isst, freut er sich.“ Die Fahrstuhltür geht auf und da steht er auf dem Flur und breitet die Arme aus. „Hallo!“ ruft er uns entgegen „wie schön!“ Auf Minariks Feststellung, er sei heute gar nicht am Stall gewesen (gemeint ist der Stall Asterblüte in Köln-Weidenpesch, das Trainingsrevier von Peter Schiergen), kontert er: „Filip, ich hab‘ doch nicht jeden Tag Zeit!“

Für unseren Besuch nimmt er sie sich und fragt „Trinken wir einen Kaffee?“. Ich nicke begeistert, während mein Blick über die Ölgemälde edler Vollblüter auf den massiven Schrank voller silberner Ehrenpreise fällt. Geschäftig werkelt Bollow in der Küche, bevor er mich zu dem Eichenschrank führt, in dem seine wahren Schätze verborgen sind. Nicht etwa teure Pokale oder Statuen – sondern Bücher. Handschriftlich geführt von seiner Ehefrau. Auf den Seiten sind mit Bleistift Hilfslinien eingezogen und mit Füllfederhalter sorgsam die Daten der jeweiligen Rennen notiert. Daneben stehen Rennort, Name des Rennens, Pferdename, Abstammung, Besitzer und Trainer. 27 Jahre, von 1936 bis 1963, war Hein Bollow Jockey, davon sage und schreibe 13 mal Champion, der Reiter also mit den meisten Siegen in einer Saison.

Zu seinen 1.033 Erfolgen zählen vier Derby-Siege mit Allasch (1953), Kaliber (1954), Kilometer (1956) und Herero (1962). „Kilometer war der Beste!“ antwortet er ohne Zögern auf die Frage nach seinem besten Pferd. Als Trainer kam noch ein Derby-Sieg (1974 mit Marduk), ein Trainer-Championat (1965) und 1.661 Siege hinzu. Bollow war der erste Deutsche, der sowohl als Reiter wie auch als Trainer die 1.000-Marke übertroffen hat. „Und der nächste, der das schafft, sitzt mit am Tisch.“ Lächelnd schaut Hein Bollow zu Filip Minarik herüber.

„Ich bin nur wenige Minuten vom Springplatz Klein-Flottbek in Hamburg geboren, habe von meinem zehnten Lebensjahr an auf Pferden gesessen, ob Polo-, Turnier- oder Springpferde“, so Bollow. Seine vielen Erfolge hat er sich hart erarbeitet, darauf ist er zu Recht stolz: „Ich kam von ganz unten, bekam nichts, aber auch gar nichts geschenkt.“

Neben dem Derby spielt ein Rennen für ihn eine besondere Rolle: Der Preis von Europa, eines von nur sieben Gruppe-I-Rennen in Deutschland. Es wird am kommenden Sonntag in Köln zum 57. Mal ausgetragen. Die Premiere 1963 gewann Bollow auf Opponent in seinem Abschiedsjahr als Reiter, 1988 siegte er in seinem letzten Jahr als Trainer mit Kondor.

Mit dem elffachen Gruppe-Sieger Nebos im Besitz der Gräfin Batthyány „dem besten Hengst, den ich je trainiert habe“ gewann er den Preis von Europa 1979 und wurde 1980 „nur“ Dritter – allerdings lediglich eine Woche nach einem sehr unglücklichen fünften Rang im wichtigsten Rennen Europas, dem Prix de l’Arc de Triomphe.

„Der Motor für meine Erfolge war meine Frau. Eine starke Frau im Hintergrund ist in unserem Trainerberuf gestern wie heute eine wichtige Voraussetzung, ich hatte dieses Glück“, sagt Bollow und auch bei der Frage, ob Reiter oder Trainer zu sein, besser ist, hat er eine klare Meinung: „Jockey! Das Pferd als erstes durchs Ziel zu reiten, ist doch nochmal etwas ganz anderes.“

Filip Minarik hat einmal über Hein Bollow gesagt: „Er weiß einfach alles, ob Zucht oder Rennen. Er kennt bei fast jeder Autobahnausfahrt eine Geschichte, ob zu einem Gestüt oder irgendetwas anderes, Hauptsache der Rennsportbezug ist vorhanden.“

Nach unserem gemeinsamen Kaffeeplausch kann ich das bestens verstehen. Wir verabschieden uns und als ich vor dem Haus auf mein Fahrrad steige und hoch zu seinem Balkon winke, steht er am Geländer und ruft: „Sehr gesund!“ Danke, lieber Heinrich Bollow, für den gemeinsamen Nachmittag und einen Ausflug in eine so erfolgreiche Zeit!“

Foto-Quelle (oberes Bild): German Racing/Frank Sorge

Das könnte Sie interessieren:

Galopp Iffezheim: Noch 14 Stuten können „Winterkönigin“ werden

Zweijährigen-Klassiker am Sonntag ist Höhepunkt des Herbstmeetings.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.